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Kräftiger Applaus für "Im weißen Rössl..."

Beschwingtes Musical Kräftiger Applaus für "Im weißen Rössl..."

 Walzerselig, beschwingt und leicht: So kommt das Musical „Im weißen Rössl- oder was Jospeha träumt“ der Theatergruppe der Kirchengemeinde St. Johannis daher.

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Das Musical begeisterte die Zuschauer.

Quelle: Beate König

Brügge. Regisseurin Birgit Bockmann leitete die ohnehin spielfreudige Truppe zu sehr sehenswerten Höchstleistungen, die bei der Premiere am Freitag kräftig beklatscht wurden. Seit Januar probten die Darsteller mit der Regisseurin und dem musikalischen Leiter Lars Thomsen die moderne Version der Operettenrevue, die 1960 durch eine Verfilmung mit Peter Alexander berühmt wurde. Allerdings fügte Birgit Bockmann dem Brügger Stück ums Liebesglück am Wolfgangsee eine Portion Realität bei: Die Altenheim-Bewohnerin Josepha, früher Ensemblemitglied in einem Theater, träumt die Geschichte vom Zahlkellner Leopold, der in Josepha, die Chefin des Weißen Rössls schwer verliebt ist. „Die Originalhandlung ließ sich anders nicht auf der Bühne in der Kirche umsetzen“, erklärt Bockmann. Der Gegenwartsbezug, den die Regisseurin mit der Rahmenhandlung ergänzt, tut dem Stück als Kontrast gut. Er nimmt der Heimatschnulze ihre erdrückende Süße.

Erfrischend leicht präsentierte das exzellent und erkennbar freudig zusammen spielende Ensemble in Doppel- und Dreifachrollen die neue Rössl-Version. Beständig im Walzermodus tanzte Paul Eggert mit den Damen seines Herzens zwischen den Kirchenbänken, Henry Koop reicherte in seiner Rolle als Kaiser Franz Joseph das Lied „Es ist amal im Leben so: Der allerschönste Traum bleibt nur Schaum“ mit einer philosophischen Tiefe und Menschenfreundlichkeit an, wie es nur ein Pastor kann. Mitreißend komisch dagegen: Sein Kaisergruß. Hebt er die Hand, antwortet das Volk stets mit einem „Hoch!“-Ruf . Koop probierte schmunzelnd als Kaiser-Gruß-Effekt wie eine Testreihe aus, bis das Publikum kichernd mit einfiel ins automatisierte Preisen des Monarchen. Herzerwärmend enthusiastisch war Jürgen Goldkamps Version des verliebten Leopold. Grandios gelang Marvin Kraus als Fabrikantensohn der Schlager „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön  ist.“ Lachmuskelreizend ist der mit Lederhosen bayrisch ausstaffierte Unterhosenfabrikant Gieseke (Heiner Volkers), der fließend plattdeutsch spricht.

Deutliche Lichtwechsel markierten auf der Bühne das Umschalten von Josephas Traum zur Altenheim-Realität. Birgit Bockmann hatte die Kanzel als Balkon ins Bühnenbild ebenso integriert wie die Kirchentür, die, laut geschlagen, Auf- und Abtritte hörbar machte.

Im Lauf der Handlung trat die triste Gegenwart des Heims immer weiter zurück. Josephas Traum, in dem sie Physiotherapeutinnen, Köchinnen und Pflegerinnen mal in Stadtverordnete mit Vollbärten, dann in Showgirls mit Federboas und Heimbewohner in streitsüchtige Hotelgäste verwandelt, schob sich nach vorn. Zum großen, rosaroten Finale, wenn sich alle in den Armen liegen und singend „Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür“ als Heilbalsam in die Seelen der Zuschauer massieren, war es so schön, dass man gar nicht mehr zurück wollte. Erst nach zwei Zugaben und sehr kräftigem Applaus ließ das Publikum in der gut gefüllten Kirche die Darsteller von der Bühne.

 

Weitere Aufführungen: Sonnabend, 24. September, 19 Uhr, Sonntag, 25. September, 17 Uhr, St. Johannis Kirche, Brügge, Dorfstraße 8. Eintritt frei.

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