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Kap aus Neumünster soll für Nachwuchs sorgen

Kritik am Eisbär-Transport Kap aus Neumünster soll für Nachwuchs sorgen

Der Tiertransporteur ist einer der besten und renommiertesten in Europa und genießt mein absolutes Vertrauen“, trat Verena Kaspari, zoologische Leiterin des Tierparks Neumünster, der Kritik an der Eisbären-Transaktion zwischen den Tierparks Neumünster und Karlsruhe entgegen.

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Ein Tierpfleger trainiert mit Eisbär Kap Kommandos, die den anstehenden Transport erleichtern sollen.

Quelle: Tierpark Neumünster

Neumünster. „Narkose ist Plan B. Wir werden Kap vorher in seinem Gehege an die Transportbox gewöhnen und hoffen, dass er freiwillig hineingeht. Der 16-jährige Kap soll nach ausführlicher Voruntersuchung, wie berichtet, in Karlsruhe mit der gleichaltrigen Nika für Nachwuchs sorgen; im Tausch dafür kommen Vitus (16) und Larissa (26), beide nicht zuchtfähig und seit zehn Jahren aneinander gewöhnt, an ihren Altersruhesitz nach Neumünster. Dort kann nicht gezüchtet werden: Die Innenställe geben es nicht her, die Mutter mit Jungtieren vom Vater anschließend zu trennen.

 Die von Frank Albrecht von der Tierschutzorganisation End Zoo erhobenen Vorwürfe sieht Kaspari als keinesfalls gerechtfertigt an: „Erstens gehen nicht vier, sondern drei Eisbären auf Reise. Zweitens war in der angeführten Studie aus dem Jahr 2006 von Ulrike Stephan nicht Kap, sondern Nika die mit dem erhöhten Stressfaktor nach dem Transport gewesen. Drittens ist diese Studie veraltet. Sie entstand, als Eisbärenmänner gezielt von Zoo zu Zoo auf Hochzeitsreise weitergereicht wurden. Also nicht nur Transport, sondern ein Gesamtstress-Paket.“ Da Eisbären intelligente Tiere seien, werde Kap Nika, die Karlsruher Anlage und auch die alten Pfleger wiedererkennen.

 „Wir haben Kotproben, an deren hormonellen Inhaltsstoffe Stress messbar ist, eingefroren. Die Werte werden mit frischen aus Karlsruhe verglichen“, kündigte Kaspari an. An die 1,20 breite und 2,50 Meter lange Transportbox aus Aluminium mit Bodenstreu soll sich Kap in den nächsten Tagen gewöhnen. Mit einem Gabelstapler wird sie dann auf den Lkw gehievt werden, der höchstwahrscheinlich nachts (ohne Stau im Elbtunnel) seine sechsstündige Reise antreten wird; das alles einem erprobten Team an Bord, das auch für den Fall eines Unfalls ausgebildet und gerüstet ist.

 Eindeutig macht sich Kaspari für die Haltung von Eisbären in Tierparks stark, für die von Zuchtbuchexperten der Europäischen Zoovereinigung (EAZA) bestimmten Anpaarungen für die Nachzucht und auch für Neumünster als Standort für Larissa und Vitus.

 „Die beiden werden hier die Botschafter für ihre Artgenossen in der Arktis sein. Nicht umsonst haben wir die Stadtwerke als Eisbären-Paten gewinnen können, auch mit ganz lebenspraktischen Klimaschutz- und Energiespartipps.“ Verena Kaspari ist überzeugt: „Ein 15-Jähriger, der hier das Tier direkt gesehen hat, nimmt künftig das Kabel von der Steckdose, wenn sein Handy aufgeladen ist.“ So erfüllen Zoo-Eisbären eben per Emotion auch einen Bildungsauftrag.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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