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Kitas passen sich den Arbeitszeiten der Eltern an

Bundesprogramm Kita Plus Kitas passen sich den Arbeitszeiten der Eltern an

Die Arbeit in der Altenpflege mit Sohn Grazjan (3) zu vereinbaren, war bisher für Marlena Heimann unmöglich. Das ändert sich ab 1. September, denn Grazjans Kita ist eine von vier Einrichtungen in Neumünster, die am Bundesprogramm „Kita plus" teilnimmt, das bedarfsgerechtere Betreuungszeiten vorsieht.

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Marlena Heimann (33) nutzt das Betreuungsfenster von 6 bis 21 Uhr in der Ruthenberger Kita, um ihren Sohn Grazjan (3) optimal unterzubringen, während sie arbeitet.

Quelle: Gunda Meyer

Neumünster. 20 Uhr, Seniorenheim Haus Berlin in Neumünster: Marlena Heimanns Dienst neigt sich langsam dem Ende. Währenddessen macht es sich Sohn Grazjan auf dem Sofa in der Kita Ruthenberger Rasselbande bequem. So wird der Alltag für die alleinerziehende Mutter künftig aussehen. „Es ist gut zu wissen, dass mein Kind vernünftig betreut wird, und ich ihn ohne Stress um 21 Uhr abholen oder schon um 6 Uhr bringen kann", sagt die 33-Jährige. Dabei achte sie aber darauf, dass ihr Filius einen geregelten Tagesablauf hat. „Ich bringe ihn schon zum Mittagessen, wenn ich Spätschicht habe, damit sich für ihn so wenig wie möglich ändert".

Bislang war die zugezogene Neumünsteranerin Hausfrau. Ab September kann sie fast einem ganz normalen Dienst nachgehen, da die Kita die meisten Zeiten abdeckt. Nur wenn sie Nachtschicht hat, passt Grazjans Vater auf ihn auf. Für Heimann ist es eine große Entlastung. „Die Kita passt sich meinen Arbeitsbedingungen an, nicht umgekehrt, das ist toll.“

Aber nicht nur die Ruthenberger Rasselbande hat die Öffnungszeiten von 7 bis 16.30 Uhr auf 6 bis 21 Uhr erweitert. Auch die Kita Schubertstraße (ab Donnerstag 6 bis 22 Uhr), die Diakonie-Kinderkrippe Kleine Fische (5 bis 22 Uhr, auch am Wochenende) sowie die Kindertagespflege Königskinder / Zweipluszehn (5 bis 22 Uhr, über Nacht und am Wochenende) nehmen an dem Bundesprogramm mit erweiterten Betreuungszeiten teil. Schleswig-Holstein weit setzen neben Neumünster auch vier Kindertagesstätten in Lübeck, sowie jeweils eine in Wahlstedt und Flensburg das Konzept um.

Die Nachfrage ist groß

Die Idee des Modellprojekts Kita plus ist es, vor allem berufstätigen Eltern im Schichtdienst unter die Arme zu greifen durch möglichst passgenaue Betreuungszeiten. Damit soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden. Mit Erfolg: 16 der 24 für das Projekt bereit gehaltenen Plätze sind bereits belegt. Die Diakonie-Kinderkrippe Kleine Fische ist voll, freie Plätze haben noch die Rasselbande (2), Kita Schubertstraße (2) und die Kindertagespflege Königskinder/Zweipluszehn (4). Vor allem Eltern, die in der Altenpflege, im Reinigungsgewerbe oder im Einzelhandel arbeiten, haben ihre Kinder angemeldet.

Was für die Eltern Entlastung bringt, bedeutet für die Kitas mehr Arbeit. „Bei uns werden vier neue Vollzeitstellen geschaffen“, erklärt Lena Lindner von der Diakonie-Kinderkrippe Kleine Fische. Grund für den erhöhten Personalbedarf ist, dass die Diakonie-Kita auch einen Notfall-Shuttle-Service anbieten will, wenn die Eltern es nicht rechtzeitig schaffen, ihre Kinder abzuholen. Auch in der Schubertstraße werden zwei zusätzliche Erzieher eingestellt und in der Ruthenberger Rasselbande soll der Hort-Bereich mit der Kita baulich verbunden werden, um kürzere Wege zu schaffen.

Die Stadt übernimmt nach drei Jahren die Finanzierung

Die gesetzliche Maximalbetreuungszeit der Kinder darf nicht über zehn Stunden am Tag und 50 Stunden in der Woche hinaus gehen. Es gibt aber noch eine weitere Bedingung, die an das Programm gekoppelt ist: Finanziert wird das Programm zwar über drei Jahre zu 95 Prozent mit einer Million Euro vom Bund, aber danach verpflichtet sich die Stadt Neumünster, das Programm fortzuführen – und zwar komplett aus dem Topf städtischer Mittel. „Das sind Kosten von jährlich rund 350000 Euro, aber die Politik steht dem offen gegenüber“, sagt Jörg Asmussen, Fachdienstleiter für frühkindliche Bildung.

 „Wir müssen den Eltern entgegenkommen, und auch Arbeitgeber, die sich in der Stadt ansiedeln wollen, schauen auf diese Angebote“, erklärt Dietrich Mohr von der Ruthenberger Kita.

Aber ist eine so umfangreiche Kinderbetreuung angesichts schrumpfender Geburtenraten überhaupt sinnvoll? „Entgegen aller demografischen Entwicklungen stellen wir für Neumünster seit 2013 jährlich steigende Bedarfe fest“, erklärt Jörg Asmussen. Bis 2016 ist sowohl die Anmeldezahl der betreuten Kinder im Elementar- und im Bereich unter Drei von 173 auf 332 gestiegen als auch die im Bereich Schulkinder/Hort von 31 auf 83.

Eine von der Stadt 2013 in Auftrag gegebene Studie, in der die Kinderzahlen bis 2030 prognostiziert wurden, unterstreicht die Tendenz: Das Planungs- und Beratungsbüro Goertz, Gutsche und Rümenapp aus Hamburg wurde beauftragt, eine kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose zu erstellen. Auf Basis der Einwohnermeldedatei zum Stichtag 31. Dezember 2013 und des Zensus 2011 hat das Büro die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Neumünster bis zum Jahr 2030 errechnet. Daraus ergibt sich, das bis 2020 vor allem mehr Drei- bis Sechsjährige in Neumünster leben sollen, die Zahl unter Dreijähriger bleibt etwa konstant. Erst in knapp fünf Jahren sollen die Zahlen bis 2030 sinken. Außerdem müsse man die Kinder von Flüchtlingsfamilien berücksichtigen, die in diesen Prognosen noch nicht eingeflossen seien. „Wir sind gut davor und können den Bedarf der zu betreuenden Kinder decken“, so Asmussen. Das Konzept „Kita plus" soll stetig überprüft und an die Bedarfe angepasst werden.

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