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Schluss mit der Clan-Wirtschaft

Lebenshilfe Neumünster Schluss mit der Clan-Wirtschaft

Nur vier Monate vor seinem Ruhestand hat sich der Aufsichtsrat der Lebenshilfe Neumünster GmbH von deren Geschäftsführer Hans-Joachim Hirsch getrennt. Als Gründe nannte Aufsichtsratsvorsitzender Horst Bülck eine unakzeptabel hohe Anzahl beschäftigter Familienmitglieder und private Autonutzung.

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In dere Rügenstraße 5 in Wittorf haben dieWerkstätten der Lebenshilfe seit Jahrzehnten ihren Sitz.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster.  Am Montagabend musste der 64-jährige Hirsch nach 29 Jahren in der Position des Geschäftsführers den Komplex in der Rügenstraße unter Begleitung verlassen, nachdem er Schlüssel und Handy ausgehändigt hatte. „Eine Kampfabstimmung war das nicht im Aufsichtsrat“, erklärte Bülck, seit viereinhalb Jahren Vorsitzender des Gremiums, am Donnerstag.

 Schon seit Jahren habe es ein „zunehmend schwieriges Verhältnis“ zwischen Hirsch und dem Eltern- und Betreuerbeirat gegeben. Deshalb beschloss der Rat Mitte vergangenen Jahres die Abberufung von Hirsch zum 1. März 2016 und gleichzeitig die Einstellung eines Nachfolgers. Außerdem wurde der Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschlossen. „Wir wollten dem neuen Geschäftsführer ein ordentlich geprüftes Unternehmen übergeben.“

 Dann wurde die Elternschaft ungeduldig; der Beirat beschwerte sich im Dezember per Brief über „die Clan-Wirtschaft“ beim Aufsichtsrat. In dem wurde auch das Geschäftsmodell einer Goldschmiede der Werkstatt (geleitet von einer Hirsch-Tochter; nach deren Weggang seit Monaten geschlossen) angeprangert. „Wir haben eine Sonderprüfung eingeleitet“, schilderte Bülck.

Vier Töchter waren bei der Lebenshilfe beschäftigt

 Ergebnis: Zeitweise waren über einen längeren Zeitraum bis zu vier Töchter und zwei Schwiegersöhne in der GmbH tätig. Dem Geschäftsführer stand ein Dienstwagen zu, aber es wurden auch andere Autos der Einrichtung privat durch Familienmitglieder genutzt. Und die Goldschmiede, in der die Hirsch-Tochter ihre Ausbildung absolviert hatte, sei nie „ein tragfähiges Modell“ gewesen.

 Ebenfalls im Dezember war der Nachfolger plötzlich verstorben, der Aufsichtsrat nunmehr wieder „von der Lebensarbeitszeit“ von Hirsch ausgegangen. Bis Montagabend das Gremium umgehend die Konsequenzen aus der Sonderprüfung zog. Zum 1. Juni soll ein Nachfolger die Leitung der Einrichtung mit 300 behinderten und 170 betreuenden Mitarbeitern antreten.

 Die Handelsregisteranmeldung, um Bülck zum kommissarischen Geschäftsführer zu bestellen, und die Umorganisation des Aufsichtsrates sind eingeleitet. Ob juristische Schritte erwogen werden? „Das möchte ich nicht beantworten“, sagte Bülck. Die Stellungnahme von Hirsch fiel denkbar knapp aus: „Dazu möchte ich nichts sagen. Als Geschäftsführer kann man jederzeit abberufen werden.“

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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