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Praxis für Patienten ohne Papiere

Medibüro der Awo Neumünster Praxis für Patienten ohne Papiere

Das neue Medibüro im Integrations-Center der Awo in Neumünster bietet ärztliche Behandlung für Menschen ohne Papiere an. Die Ärzte vom Medizinischen Praxisnetz (MPN) übernehmen die anonyme und kostenlose Versorgung. Bislang kamen vor allem Rumänen und Bulgaren ohne Krankenversicherung zur Behandlung.

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Dr. Joahnnes Kandzora hört einen Patienten ab, Arzthelferin Hacer Yildirim assistiert.

Quelle: Sven Detlefsen

Neumünster. Anonym und kostenlos soll im neuen Medibüro in Neumünster Menschen ohne Papiere medizinisch geholfen werden. Diese Betroffenen fallen in aller Regel durchs Raster, wenn es um den Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung geht. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und das Medizinische Praxisnetz (MPN) niedergelassener Ärzte in Neumünster bieten dieser Klientel seit Anfang März eine Anlaufstelle.

 „Es kann nicht sein, dass es in Deutschland Menschen gibt, die keine medizinische Versorgung erhalten, weil es sie nicht geben darf“, sagt Dr. Johannes Kandzora, Vorsitzender des MPN. Das neue Medibüro arbeitet anonym und kostenlos. Zwei Stunden jeweils am Mittwochnachmittag ist vorerst geöffnet. Ärzte untersuchen und beraten die Besucher. Je nach medizinischen Erfordernissen werden Kollegen konsultiert oder die Patienten an sie weiter vermittelt.

 Bislang kamen vor allem Rumänen und Bulgaren ins Medibüro. Obwohl sie aus dem EU-Ausland kommen, haben viele von ihnen keine Krankenversicherung, die in den Heimatländern nicht vorgeschrieben ist. Auslöser für die neue Einrichtung in Neumünster waren diese Betroffenen aus Neumünster, die die Kapazitäten des Medibüros in Kiel sprengten. Seit Dezember wurde die Anlaufstelle für Neumünster geplant. Die städtische Koordinierungsstelle für Integration hat für die Awo und das MPN entsprechende Mittel beim Land beantragt.

 Ärzte aus dem MPN hätten sich bereit erklärt, im Medibüro die Sprechzeiten ehrenamtlich zu besetzen, so Kandzora. Sieben Kollegen wechseln sich im Untersuchungszimmer, das mit Sachspenden von Ärzten ausgestattet wurde, an der Goebenstraße ab. An die 30 Kollegen hätten zugesagt, fortgesetzte Behandlungen in ihren Praxen zu übernehmen, erklärte Hannes Graeser, zweiter Vorsitzender des MPN.

 In Deutschland soll es nach Schätzungen von Wohlfahrtsverbänden rund 500000 Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus, also ohne Papiere, geben. Die Awo sehe die Versorgung dieser Menschen als wichtige Aufgabe an, meint Michael Treiber, der beim Landesverband „Awo interkulturell“ leitet. Neben der medizinischen Versorgung sollte es auch das Ziel sein, die Betroffenen durch Beratung in die Legalität zurückzubringen.

 In aller Regel sollen die Patienten über die Migrationsfachdienste von Verbänden wie Awo, Diakonie, DRK und Caritas den Weg ins Medibüro finden. Aber auch direkte Besucher werden nicht abgewiesen: „Wir wollen Notfälle auffangen“, so Kandzora.

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Ein Artikel von
Sven Detlefsen
Ressortleiter Holsteiner Zeitung

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