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Allgemeine Sterbekasse wird 150

Die „Meyersche“ feiert Allgemeine Sterbekasse wird 150

Gefeiert wird am 9. September, und zwar der „150ste“ der Allgemeinen Sterbekasse. Vor genau so langer Zeit waren es die Neumünsteraner Mitglieder leid, zu den Zusammenkünften nach Padenstedt zu fahren. Und so gründeten sie 1866 ihre eigene Sterbekasse.

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Geschäftsführerin Sabine Bernhardt mit dem ältesten der drei Hauptbücher, in die aus alter Tradition auch heute noch die Namen der Mitglieder per Hand eingetragen werden.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Die wurde nach dem Tagungsort Gastwirtschaft Heinrich Meyer im Volksmund schlichtweg die „Meyersche“ genannt wurde. „Sterbekassen sind eine Urform der Nachbarschaftshilfe“, erläutert Geschäftsführerin Sabine Bernhardt. Sie entstanden aus den Gilden heraus, die es in Neumünster ab 1578 gab.“ Verstarb ein Mitglied, wurden die Beerdigungskosten von der Kasse bezahlt und auf die Mitglieder umgelegt. Die streckte häufig genug der Kneipier, in diesem Falle Meyer, vor und bekam die Summe plus Zinsen beim nächsten Jahresmitgliedertreffen zurück. Erst im Jahr 1902 wurden regelmäßige monatliche Beiträge eingeführt, die Rücklagenbildung ermöglichten.

 Feste zum runden 50. und 75. Geburtstag fielen den Weltkriegen zum Opfer, aber die 100-Jahr-Feier ließen sich die Mitglieder nicht nehmen. Exakt 8290,71 DM wurden für die Festivität aufgewendet: unter anderem 11,80 Euro für Taxi-Dehn und 70 Euro für eine Jubiläumsanzeige in den Kieler Nachrichten. Da existierte das Wohn- und Geschäftshaus als Eigentum und Sitz der Kasse in der Marienstraße 5a schon seit 30 Jahren.

 Die Gewinnbeteiligung der Mitglieder wurde 1964 eingeführt. „Die sogenannten Gewinnumverteilungen werden heute noch durch einen Versicherungsmathematiker vorgeschlagen und von der Jahresversammlung, dem höchsten Organ, beschlossen“, berichtet Bernhardt. Noch etwas anderes hat Tradition: Natürlich existiert längst eine elektronische Buchführung, aber zusätzlich werden neue Mitglieder nach alter Tradition in den kiloschweren, von Hand geführten Hauptbüchern festgehalten.

 Auch heute geht es den gut 11000 Versicherten darum, mit der Sterbeversicherung die Hinterbliebenen zu entlasten. Bernhardt: „Wir zahlen unmittelbar innerhalb von zehn Tagen. Da muss nicht erst auf den Erbschein gewartet werden.“

 „Unserer Kapital, das angelegt werden muss, beträgt 9,5 Millionen Euro. Das legen wir eher konservativ an, aber bekommen bei dieser Summe immer noch eine bessere Verzinsung als auf das private Sparbuch“, verrät die Geschäftsführerin. Übrigens hat es längst wieder eine Versöhnungs-Fusion gegeben: Seit 2012 gehören die Padenstedter zur Sterbekasse Neumünster. Und brachten ein Zwei-Familien-Haus in die erneuerte „Ehe“ ein.

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