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Ein ganz besonderes Pflaster

Neumünster Ein ganz besonderes Pflaster

„Kann man daraus nicht mehr machen?“, fragte Heinrich Kautzky von Neumünsters Umweltbehörde am Tag des offenen Denkmals 2010. Eine kleine, neunseitige Broschüre informierte die Teilnehmer einer Busfahrt entlang der ersten Kunststraße Schleswig-Holsteins. Die Antwort liegt seit Mittwoch auf dem Tisch: das gut 300 Seiten starke Buch „Die Chaussee Altona-Kiel“.

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Bauarbeiter an der Altonaer Chaussee in den 20er Jahren. Die Pflastersteine wurden damals noch per Hand eingesetzt und mit Muskelkraft gerammt.

Quelle: Ludwig Verlag

Neumünster.  „Die Straße ist neben dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken und des Nord-Ostsee-Kanals eine des wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen des 19. Jahrhunderts gewesen und ist auch heute von hoher Bedeutung“, betonte bei der Präsentation des neuen Buches Landeskonservator Dr. Michael Paarmann. Das Landesamt für Denkmalpflege zeichnet als Herausgeber verantwortlich. In 65 Aufsätzen haben 23 Autoren die Chaussee-Geschichte erzählt.

 Dass die Strecke nicht wie bei Hofe in Kopenhagen zunächst geplant über Bornhöved führte, ist nicht zuletzt einem Trick des „Fleckenskollegiums“ Neumünster zu verdanken: Es stellte das erforderliche Land für den Bau und „400 Kubikfaden Steine“, etwa 2300 Quadratmeter, kostenlos zur Verfügung. Nach nur drei Jahren Bauzeit (1831 hatte eine Cholera-Epidemie der Bau stark behindert) weihte König Friedrich VI. die Chaussee am 1. Juni 1833 in Bad Bramstedt ein.

 Ein ganzes Kapitel ist ihren Begleit-„Elementen“ wie Granitquaderbrücken gewidmet, den uniform gebauten Häuschen für Wegegeld-Einnehmer und Chausseewärter, Gasthäusern und Ausspannen, dem Obelisken in Kiel. Auf der historischen Chaussee mussten Mitte April 1945 Hunderte von KZ-Häftlingen von Neuengamme nach Kiel marschieren, wie Buch-Co-Initiator Burkhard von Hennigs erinnerte.

 Kautzkys Herz für die „Achse Altona-Kiel“ begann mit der Novellierung des Naturschutzgesetzes 2007 zu schlagen, das Alleen zu gesetzlich geschützten Biotopen deklarierte. In Neumünster begann man umgehend, den extrem lückig gewordenen Baumbestand der Chaussee zu erneuern. „So landete auch ein Schatz auf meinem Schreibtisch: Eine zerfledderte Mappe mit Karten und Plänen für die Straße von 1880, die im Keller der Landesbetriebs Straßenbau Itzehoe geschlummert hatte.“

 Kautzky hofft, dass aus dem Chaussee-Buch ein lebenspraktisches Handbuch wird, um die Historie der Straße in den Köpfen der Menschen zu verankern – und vor allem dem Bewusstsein für Denkmalschutz auf die Sprünge zu helfen. „Gerade ist in Wiemersdorf im Kreis Segeberg einer der beiden letzten noch halbwegs intakten Ausspannhöfe der Abrissbirne zum Opfer gefallen.“

 Für die Realisierung des Projektes „Wiedersichtbarmachung historischer Elemente“, das sich auch der Schleswig-Holsteinische Heimatbund auf die Fahne geschrieben hat, schwebt ihm vor: Wenn eine komplette Wiederherstellung der Allee nicht möglich ist, sollte das in jedem Kreis, jeder kreisfreien Stadt wenigstens für einen Abschnitt von zwei bis drei Kilometern gelten. „Nicht nur aus heimatkundlicher Sentimentalität, sondern als aktive Stadt- und Landschaftsgestaltung.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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