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Alte Schriften lagern bei 18 Grad

Im Kirchenkreisarchiv Alte Schriften lagern bei 18 Grad

Sybille Radtke-Kaak ist in diesen Tagen ganz besonders um ihren Arbeitsplatz zu beneiden. Im eigentlichen Lager des Kirchenkreisarchivs Altholstein in Neumünsters alter Bugenhagenkapelle am Kantplatz herrscht eine Raumtemperatur von 18 Grad.

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Archivarin Sybille Radtke-Kaak zeigt die gebundenen Schätze, die liegend lagern. „Alles was steht, verbiegt sich mit der Zeit.“

Quelle: Sabien Nitschke

Neumünster. Zudem sorgt das Lüftungsgerät für eine konstante Raumfeuchtigkeit von 50 Prozent, damit sich die kostbaren historischen Schriften auch wirklich wohl fühlen.

 Die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin kam 2008 zur Verwaltung des Kirchenkreises Neumünster. Nach der Fusion mit Kiel zu Altholstein war sie in Kiel für das Kirchenbuch- und Meldewesen zuständig. Ihre Antwort auf die Frage „Können Sie alte deutsche Schrift?“ war ausschlaggebend dafür, dass sie zur Hüterin des Archivs wurde. Das umfasst einerseits rund 1700 Kirchenbücher, in denen Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Bestattungen festgehalten sind. „Diese Taufeintragungen waren früher die einzige Beurkundung, allenfalls noch ergänzt von Pachtverträgen, denn Pässe und Ausweise gab es ja nicht.“ Der älteste dieser Schätze ist ein Taufbuch aus Kiel aus dem Jahre 1652.

 Dazu kommt das Schriftgut des Kirchenkreises und teilweise der Gemeinden. „Das sind zum Beispiel alte Rechnungsbücher, die die Geschichte der Kirchengemeinde widerspiegeln. Was wurde wann für den Taufstein ausgegeben? Oder es sind Baupläne oder Kirchenvorstandsprotokolle.“ So ließe sich ohne weiteres nachprüfen, wie anno 1598 das Kirchengeld von den Bürgern im Kirchspiel Neumünster eingezogen wurde. Von elektronischer Erfassung dieser Aufzeichnungen ist der Kirchenkreis, der sich vor zwei Jahren immerhin dieses moderne Archiv leistete, noch weit entfernt.

 Die Kirchenbücher sind immerhin schon alle verfilmt; von Besuchern gewünschte Passagen werden über ein Lesegerät vorgeführt. Nicht zuletzt, um die kostbaren Bücher zu schonen, die ohnehin nur mit Baumwollhandschuhen angefasst werden. Fünf bis zehn Besucher aller Altersgruppen suchen das Archiv pro Woche in der ehemaligen Kapelle aus den 1950er-Jahren auf. „Manchmal stehen Urlauber an Regentagen als Überraschungsgäste in Sachen Familienforschung vor der Tür.“ Letztere hat sich zum echten Trend gemausert, angeheizt durch Internetportale. Auch aus klassischen Auswandererländern wie USA, Südamerika und Australien bekommt Archivarin Radtke-Kaak Anfragen.

 Terminvereinbarung per E-Mail an archiv@altholstein.de oder unter Tel. 04321/8529263

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
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