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Robben-Babys gehen „an der Hand“

Tierpark Neumünster Robben-Babys gehen „an der Hand“

Doppelter Girlie-Nachwuchs bei den Robben in Neumünsters Tierpark: Mitte Juli kamen zwei Mädchen zur Welt. Fest steht: Die eine geht ins koreanische Seoul, die andere wohl in den Frankfurter Zoo. Aber vor Reiseantritt ist nach der Entwöhnung von Mama erst einmal Medical Training angesagt.

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Lang gestreckte Hälse und fast alle Nasen kommandomäßig fest dran am Target: Tierpfleger Mario Lichtenberg kann zufrieden mit seiner Truppe sein.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster.  „Noch laben sich die beiden namenlosen Babys an der fettreichsten Milch, die es bei Säugetieren gibt“, berichtet Tierpark-Chefin Verena Kaspari. „Deshalb sind die Robben auch die schnellst wachsenden Jungtiere, die bald alleine klarkommen müssen. Nach vier bis sechs Wochen, in denen sich ihr Geburtsgewicht verdoppelt hat, verlassen die Mütter sie bereits.“ Von dem Rufen nach Mama leitet sich denn auch der Begriff Heuler ab.

 Während die Jungtiere sich in freier Wildbahn das Fischefangen selbst beibringen müssen, nachdem sie zuvor in einer Übergangsphase den Meeresgrund nach Fressbarem absuchen, kommen sie im Tierpark ins Absatzbecken. Und lernen dort, Fisch aus der Hand zu fressen. Als Belohnung beim Medical Training.

 „Mir kommt kein Tier vom Hof, das nicht an der Hand geht“, insistiert Kaspari. Und das hat seinen Grund. Das Medical Training hat nur auf den ersten Blick etwas mit „Kunststückchen einüben“ zu tun. Es geht dabei um das Einüben bestimmter Verhaltensweisen auf Kommando, damit Vertrauen aufgebaut wird zwischen Tier und Mensch. Das Ganze macht nötige medizinische Untersuchungen stressfreier. „Man muss nicht immer gleich narkotisieren.“

 Bei den Robben funktioniert das so: „Erster Andock-Punkt ist die Faust, an der das Tier dranbleiben soll. Später wird das dann ein Ball.“ Derzeit trainiert die fünfköpfige Seehunde-Truppe mit metallenen Scheiben, Drei- oder Vierecken. Jeder erkennt sein spezielles Zeichen, das Revierleiter Mario Lichtenberg ihnen als „Target!“ (Ziel) entgegen hält. „Da müssen sie mit der Nase dranbleiben und dürfen erst loslassen, wenn der Pfiff ertönt. Zur Belohnung gibt’s dann Fisch.“

 Während des konzentrierten Kontakts am Tiernase-„Target“ können die Flossen untersucht, entzündete Augen mit Tropfen versehen, Blut abgenommen oder sogar eine Ultraschall-Aufnahme gemacht werden. Bei „Papa“ Bonny ist das Vertrauen so weit gediehen, dass der 36-Jährige sich von Lichtenberg anstandslos das Maul öffnen lässt zwecks Zahnkontrolle. Das medizinische Training hat zudem den schönen Nebeneffekt: Die Tiere haben eine Aufgabe, werden gefordert und gleichzeitig spielerisch „beschäftigt“.

 Die Trennung von den beiden Babys muss übrigens sein, denn mit Bonny, den beiden Müttern Eicke (24), Lotte (11) und den Damen Julchen (32) und Amy (15) sind die Kapazitäten der Seehund-Anlage in Neumünster ausgereizt; außerdem soll Inzucht vermieden werden. Das Seoul-Baby wird dort im weltgrößten Lotte-Aquarium seine Schwester treffen: Jogi war dort bereits im Herbst 2014 angekommen. Verena Kaspari: „Für die Asiaten sind Seehunde Exoten, die sie gern nehmen.“

 Erst recht, wenn sie schon perfekt „medical“ – wie die Neumünsteraner – trainiert sind.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
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