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Innenstadt-Supermärkte gehen auf Suche

Entführte Einkaufswagen Innenstadt-Supermärkte gehen auf Suche

Warum stehen Einkaufswagen auf Hinterhöfen statt vor dem Supermarkt? Warum rollern Kinder mit ihnen über den Spielplatz, statt auf dem Klettergerüst zu toben? Warum werden sie sogar als Grill missbraucht? Das ist Diebstahl. In Neumünster stapeln sich diese Einkaufswagen in einigen Straßenzügen.

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Rund 200 Einkaufswagen hat Edeka Meyer's an der Goethestraße aktuell. Jan Meifert lässt regelmäßig durchzählen, ob wieder welche verschwunden sind.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Ein Einkaufswagen ist ja kein 1-Euro-Artikel, auch wenn nur ein Euro zum Lösen der Kette eingesteckt werden muss. Und die Innenstadt-Supermärkte haben das Nachsehen. Die Unternehmen machen sich auf die Suche nach ihren „verlorenen“ Wagen, sammeln sie ein, hoffen auf Tipps von Anwohnern, denken über technische Diebstahlsicherungen nach. Edeka Meyer’s an der Goethestraße geht das Problem offensiv an und holt das soziale Netzwerk mit an Bord.

Das Problem mit verschwundenen Einkaufswagen haben viele Supermärkte. Ob Edeka, Penny oder Aldi. Rewe in der Postpassage winkt dagegen ab. „Keinerlei Probleme“, heißt es aus dem Markt – vielleicht, weil ein Dieb zunächst seine Beute quer über den Großflecken schieben müsste. Und Famila an der Brachenfelder Straße sei ebenfalls „nicht so betroffen“, wie Warenhausleiterin Britta Rämisch sagt, schnell aber noch ein „toi, toi, toi“ hinterherschiebt.

Edeka Meyer’s-Inhaber Jan Meifert ärgert sich unverhohlen. Der Markt an der Goethestraße hat auf 200 Einkaufswagen aufgestockt, alle zwei bis drei Monate wird durchgezählt. Seit ihm aufgefallen ist, dass mehrere Dutzend Einkaufswagen fehlten, zieht Meifert das durch. „150 Euro kostet einer dieser Wagen“, sagt er. Der Schaden geht also schnell in die Tausende.  Meifert und seine Mitarbeiter jagen jedem einzelnen Wagen hinterher. Erst kürzlich meldete eine Stammkundin zwei Edeka-Wagen in den Teichuferanlagen in der Innenstadt. Meifert fuhr hin. „Tatsächlich standen sie dort, aber angekettet“, erzählt er. „Das ist doch nicht normal“, entfährt es ihm. Mit einem Bolzenschneider befreite er schließlich die Wagen. Auf Facebook berichtet Edeka Meyer’s von Suchaktionen und verlorenen Wagen – und stößt dabei auf breites Echo.

Als „großes Ärgernis“ bezeichnet Oliver Melzig, Leiter Verkauf bei der Regionalgesellschaft Aldi in Nortorf, den Verlust von Einkaufswagen. Im gleichen Zug freut er sich über die Hinweise von Anwohnern, wenn irgendwo Aldi-Einkaufswagen fremd geparkt sind. „Wir lassen sie dann von Dienstleistern abholen“, sagt Melzig. Noch nicht in Neumünster, aber in Kiel testet Aldi Magnetschleifen am Parkplatzrand. Wenn Einkaufswagen weggeschoben werden, blockieren durch den Magneten im Boden die Räder. Nico Kemmsies, Bezirksleiter von Penny, erzählt auch von diesen Magnet-Sicherungen, die schon in Hamburg getestet werden.

Wenn ein Kunde seinen schweren Einkauf schnell einmal nach Hause schieben möchte und dann den Wagen gleich zurückbringt, sei das ja kein Problem, heißt es von Edeka Meyer’s. Viele Kunden sparen sich aber diesen Rückweg. Und sind die Wagen erstmal im Hinterhof, werden sie anderweitig genutzt. Als Müllcontainer, Ablage oder eben auch als Spielzeug von Kindern. Einige Tage lang gammelte Einkaufswagenweise Müll auf einer Grünfläche neben Wohnhäusern an der Ecke Goethestraße/Theodor-Storm-Straße. Jan Meifert und seine Crew schauten nach: Von Edeka war keiner dabei...

Hier sehen Sie weitere Fotos rund um das Thema entführte Einkaufswagen:

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