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Der Zampelwebstuhl läuft wieder

Museum Tuch + Technik Der Zampelwebstuhl läuft wieder

Er dürfte eine Rarität in der Museumslandschaft darstellen: Nach mühevoller, monatelanger und akribischer Arbeit, finanziell unterstützt aus dem Hause Fielmann, kann der Zampelwebstuhl, eines der Schätzchen des Museums Tuch + Technik, wieder in Aktion gezeigt werden.

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Webmeisterin Kirsten Rolle auf der Bank des Zampelwebstuhls, Andreas Möller von der Weberei Hamburg bedient die Züge der Einrichtung.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Das ist vor allem Handwebmeisterin Kirsten Rolle, Andreas Möller von der Weberei Hamburg und Klaus Tidow zu verdanken, dem ehemaligen Leiter des alten Textilmuseums. In das hielt der „Zampel“, ein Vorgänger des Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführten Jacquardwebstuhls, mit dem man schon komplizierte Beiderwandmuster weben konnte, Anfang der 1960 Jahre Einzug und wurde von Tidow fachmännisch eingerichtet.

 Der „Zampel“ hat zwei Vorrichtungen, um die Kettfäden zu heben: einerseits die Schäfte, die der Weber mit den Füßen bedient. Und dann den aufgesetzten „Harnisch“, dessen Ziehschnüre vom sogenannten Zampeljungen neben dem Stuhl stehend gezogen wurden. „Die Seidenweber haben ihn als erste entwickelt. Sechs Jahre dauerte früher die Ausbildung an diesem Webstuhl“, machte Tidow klar.

 Der Corpus des Zampelwebstuhls, ohnehin schon ein offenbar aus Vorgängern „zusammengesetztes“ Exemplar, hatte sich im Laufe der Jahre verzogen; er brauchte eine Stütze. Damit nicht genug: In Folge hatte auch die Einstellungen gelitten; der Schütze mit dem Schuss ließ sich nicht mehr durch die Kettfäden bewegen, ohne dass sie Schaden genommen hätten. „Ein vernünftiges Muster wäre ohnehin nicht mehr zustande gekommen“, erklärte Andreas Möller, der zu Rate gezogene Fachmann aus Hamburg.

 Gemeinsam machte sich das Trio von Dezember bis heute ans Werk. Die steuernden Litzen und Schnüre waren kaputt und mussten ersetzt werden. Rolle: „Als Weber ist man ja auch Sammler. Litzen hatten wir noch im Museumsdepot. Und Schnüre kann man bestellen.“ Museumsdirektorin Astrid Frevert erinnert „Phasen, da war die Stimmung nicht so toll“. Manchmal musste Möller auch gebremst werden, was Verbesserungsideen für die Holzsubstanz anging.

 Und nun läuft der „Zampel“ wieder. Schnell war klar, dass nicht mehr historisch gewebt werden sollte. Rolle fertige die Patrone, eine technische Zeichnung für die Einrichtung des Musters, für ein neues Produkt: Beim rund zehnminütigen Webvorgang für je vier Schlüsselanhänger mit der Inschrift „Tuch + Technik“ können die Besucher zuschauen.

 „Den Wert der finanziellen Spende zu beziffern, ist schlicht unmöglich. Für uns zählt der ideelle Wert, dass der Webstuhl wieder vorführbereit ist“, sagte Frevert. Für Jürgen Ostwald, bei der Fielmann AG zuständig für Sponsoring-Kooperation mit rund 100 Museen in Deutschland, ist durchaus denkbar, dass es für Tuch + Technik eine jährliche Projekt-Bezuschussung von 10000 Euro geben könnte. Frevert musste nicht lange überlegen. „Die Spinnerei Wiese im Depot müsste auch wieder ans Laufen gebracht werden.“

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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