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Mit einem Trick zur Chaussee

Neumünster überredete den dänischen könig Mit einem Trick zur Chaussee

Im November 1829 schickte das Fleckenskollegium in Neumünster einen 50 Seiten langen Brief an den dänischen König Frederik VI. Er möge doch allergnädigst resolviren, dass die beabsichtigte Chaussee von Altona nach Kiel über Neumünster angelegt werde. Eigentlich war die Streckenführung nämlich über Bornhöved gedacht. Und dann griff das Kollegium zu einer List.

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NDR-Moderatorin Eva Diederich (links) ließ sich von Marianne Dwars erklären, warum die Chaussee durch Neumünster führt. Mirella Machner filmte das Interview für das Schleswig-Holstein-Magazin auf N3.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Am Mittwoch stattete NDR-Moderatorin Eva Diederich Neumünster einen Besuch ab. Das Schleswig-Holstein-Magazin plant für August eine kleine Serie über die Chaussee, die 1834 eingeweiht wurde.

 Die Neumünsteraner Bürgerschaft hatte damals hart gekämpft, damit die Straße durch ihren Ort führt. Viele Argumente wurden ins Feld geführt, ausschlaggebend war dann aber wohl das Angebot, dass der Flecken das erforderliche Land, dass für den Streckenbau notwendig war, unentgeltlich zur Verfügung stellen wollte. Außerdem bot das Fleckenskollegium 400 Kubikfaden Steine (rund 2300 Kubikmeter) kostenlos. Dazu kämen noch 1000 Faden Steine, die fünf angesehene Bürger liefern wollten. Die dänische Verwaltung war im März 1830 überredet.

 Marianne Dwars, alteingesessene Neumünsteranerin und profunde Kennerin der Stadtgeschichte, erklärte der Moderatorin im Interview, dass dieses Angebot in Wirklichkeit ein Trick war. Denn nur wenige Monate später wurde die Lieferung der Steine angemahnt, um mit der Pflasterung im Innenbereich des Fleckens zu beginnen. Die Neumünsteraner versuchten sich herauszureden und stellten sich dumm. „Sie hätten geglaubt, die alten Pflastersteine würden benutzt“, erzählte Marianne Dwars – und Eva Diederich schmunzelte. Die Straßenbauer wollten das nicht, und letztlich musste das Fleckenskollegium im Oktober 1831 einen Kredit von 6500 Talern für Pflastersteine aufnehmen.

 An der Kieler Brücke schulterte Mirella Machner die Kamera und Arne Behr hielt das Mikro, als Marianne Dwars erzählt, dass einst eine kleine Holzbrücke über die Schwale führte – ein gefürchteter Engpass mit sumpfiger Umgebung. Im Zuge der Straßenbauarbeiten entstand dann die Granitquaderbrücke. Auf dem Großflecken berichtete Klaus Selck von seiner Familie und der Geschichte des Fuhrleute. 1823 transportierten sie den ersten Dampfkessel der Tuchfabrik Renck von Hamburg nach Neumünster. Die Chaussee mit ebener Fahrbahn und ausgebauten Brücken erleichterte dem Gewerbe die Arbeit enorm.

 Heinrich Kautzky stand ebenfalls vor der Kamera, er berichtete, wie er auf die Idee für das Buch „Die Chaussee Altona – Kiel, die erste Kunststraße Schleswig-Holsteins“ gekommen war, das im Juni veröffentlicht wurde. 22 Autoren haben sich beteiligt, auch Marianne Dwars und Klaus Selck. Und weitere sollen in der NDR-Serie zu Wort kommen.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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