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Cicero und Computer passen zusammen

Pilotprojekt in Neumünster Cicero und Computer passen zusammen

Latein und Computer, das mag auf den ersten Blick nicht gut zusammenpassen. Trotzdem finden sich am vergangenen Sonnabend an der Klaus-Groth-Schule in Neumünster 20 Schüler ein, um den Online-Unterricht mit „E-Learning Latein“ zu testen. Das Pilotprojekt ist in Deutschland einmalig.

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Lehrer Hendrik Keilhauer (31, von links) zeigt den Schülern Jakob (15, 9. Klasse des Lessing Gymnasiums Norderstedt) und Hannah (12, 8. Klasse der Heinrich-Heine-Schule Heikendorf), wie das Programm funktioniert.

Quelle: Sven Janssen

Neumünster. Für die Einführung wurden besonders lernstarke Achtklässler aus Schleswig-Holstein eingeladen.

 Das Prinzip des Onlinekurses ist schnell erklärt: Die Kinder begeben sich in einen geschützten, virtuellen Raum, in dem sie die Lehrkaft sehen können. Sie haben die Möglichkeit, miteinander zu chatten und Fragen zu stellen. Neben dem Onlineunterricht in sogenannten „Webinaren“ können Aufgaben gelöst werden. Diese bestehen etwa aus Lückentexten und Übersetzungen Ciceros und Co., deren Lösungen direkt überprüft werden. Der Lehrer wiederum kann die Schüler nicht sehen, allerdings hören. Neben dem Onlineprogramm, das die Kinder von zu Hause aus absolvieren, gibt es regelmäßig Präsenztage. Insgesamt umfasst der Kursus zwei Jahre, an deren Ende das Kleine Latinum steht. Damit brauchen die Schüler ein Jahr weniger als durch reinen Schulunterricht.

 Das Projekt haben die CAU Kiel, das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) sowie die Schule Hohe Geest in Hohenwestedt ins Leben gerufen. „Latein wird in Schleswig-Holstein recht innovativ behandelt,“ erklärt Dr. Ulf Jesper vom IQSH. Insbesondere im Bereich Sprachbildung und Inklusion werde das Fach enorm gefördert. „Der Fokus liegt in Latein auf Textlichkeit, nicht auf Kommunikation,“ erläutert Jesper. Deswegen eigne sich die Sprache ideal für das E-Learning. Außerdem sei sie systematisch und passe damit gut in die digitale Welt. Durch die direkte Rückmeldung erfolge außerdem eine hohe Individualisierung.

 Hannah (12, Heinrich-Heine-Schule Heikendorf) und Jakob (15, Lessing-Gymnasium Norderstedt) gehören zu der ausgewählten Gruppe, die das Programm testen darf. „Es ist spannend und witzig, die neue Technik auszuprobieren“, meint Hannah. Sie erhofft sich durch den Kurs eine Verbesserung ihrer Wissensgrundlagen. Jakob gefällt es, dass sich die Zeit während der Aufgaben eigenständig einteilen lässt. „Wenn man keine Zeit mehr hat, kann man sich einfach abmelden.“ Auch der schnellere Erwerb des Latinums sei für ihn reizvoll.

 „Die Kinder besitzen bereits die technischen Kenntnisse“, berichtet Lehrer Hendrik Keilhauer (31), der sich erst in die Technik einfuchsen musste. Für ihn ist es ungewohnt, die Klasse nur zu hören. „Ich muss trotz Entfernung Nähe aufbauen,“ erklärt er die Herausforderung. Dafür sei viel Feingefühl nötig. Keilhauer hofft, durch das Projekt die oftmals totgesagte Sprache von ihrem verstaubten Ruf befreien zu können. „Das Programm bietet für die Schüler eine neue Motivation“, sagt Keilhauer.

 Neben dem Effekt, Latein einen neuen Ruf zu verschaffen, hat das Projekt noch weitere Auswirkungen. Möglicherweise stellt das Programm die Zukunft des Unterrichts dar. Noch ist es vor allem eines: Eine Ergänzung zum herkömmlichen Unterricht und somit eine neue Methode, um den Schülern das Lernen zu erleichtern.

Von Maline Kotetzki

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