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Puppentheater im Knast

Familienorientierter Vollzug Puppentheater im Knast

Sechs Buggys waren am Freitagnachmittag vor dem Gefängnistor an der Boostedter Straße geparkt, drinnen im großen Besucherraum hießen die Stars Kuschelkissen Kasimir und Hund Kollin: Mit dem Puppentheater im Knast hatte der familienfreundliche Strafvollzug eine Premiere zu bieten.

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Puppentheater im Knast: Maya Raue (rechts) und Patricia Fey begeisterten zusammen mit Hund Kollin und „Kuschelkissen Kasimir“ das kleine wie das große Publikum.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. „Wir hatten im Topf für familienorientierte Vollzugsgestaltung noch einen Betrag übrig und haben uns für das Theater Kollin Kläff entschieden“, berichtete Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki. Der 26-jährige Häftling Alex H. (Name von der Redaktion geändert), der wegen Drogendelikten einsitzt, findet das Projekt klasse, noch bevor es losgeht: „Ich habe schon in der Vätergruppe mitgemacht, dadurch ist auch der Kontakt zu meiner Ex-Freundin wieder besser geworden. Und die Beziehung zu unserem Dreijährigen hat sich stabilisiert, der vergisst den Papa sonst schnell.“

 Für „Kläff“-Gründerin Maya Raue und ihre Assistentin Patricia Fey, die sonst auf Geburtstagen, in Kitas oder auch Asylbewerber-Unterkünften auftreten, bedeutet das Gastspiel hinter Gittern ebenfalls eine Premiere. Ihre Devise lautet: „Wir machen kein klassisches Zuseh-Theater, sondern beziehen die Kinder ein. Die begreifen dabei: Ich kann Einfluss nehmen, kann helfen.“

 Die Kids gehen auch diesmal voll mit. Bestätigen Hund Kläff begeistert, dass er auf der richtigen Fährte ist bei der Suche nach Fiesling Hugo, der „nach Stinkepups riecht“. Und erlösen mit lautstarkem „Buuuh!“ den gelben Kasimir von seinem Schluckauf, weil er sich an Tönen und Geräuschen schlichtweg überfressen hat.

 Max (3) hält es nicht mehr auf den Sitzkissen und Decken, die fürs junge Publikum vor der Puppenbühne liegen. Mehrfach muss Mama ihn von zu intensivem Mitspielen-Wollen zurückholen. Seine gleichaltrige Schwester kuschelt sich derweil in Papas Arme, die sie zärtlich halten. Und für die neunjährige Leonie, die mit Oma extra aus Itzehoe gekommen ist, geht der Wunsch nach einem spannenden Nachmittag mit Lachen in Erfüllung. „Es ist besser“, sagt die 53-jährige Oma, „wenn sie ihren Onkel besucht, als wenn sie ihn gar nicht sieht.“

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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