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Fiktiv – aber so realistisch wie möglich

Neues Buch von Thomas Pregel Fiktiv – aber so realistisch wie möglich

Ein brutaler Mord in einem kleinen Dorf zwischen Neumünster und Plön, eine Familie, die komplett aus dem Ruder geraten ist, Intrigen und Verrat, Kripobeamte auf der schwierigen Suche nach dem Täter – das neueste Buch von Schriftsteller Thomas Pregel aus Berlin spielt in seiner Heimat.

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Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Es ist Teil eins einer Holsteiner Trilogie. Doch Schönböken, das Dorf in dem er aufgewachsen ist, heißt hier Kaltsommer. Und so lautet auch der Titel des Buches, das am 16. Juni erschienen ist.

 „Autobiografisch ist das Buch nicht“, sagt der sympathische Autor. Aber er kennt die Gegend natürlich aus dem Effeff, beschreibt das Dorf so, dass man sich sofort nach Schönböken versetzt fühlt, fährt mit Oberkommissar Daniel Freiwald die prachtvolle Allee von der B 430 kommend in den Ort, in dem sich Zen-Buddhisten im ehemaligen Herrenhaus niedergelassen haben. Vieles scheint deshalb real, nur die Geschichte nicht, die er „in ihrer Fiktion aber so realistisch wie möglich“ darstellt.

 „Na, Freiwald, was glauben Sie, wie wird morgen wohl die Schlagzeile in der Presse lauten: Schlachterei im Schlachthaus?“ Hauptkommissar Hans-Peter Arnstedt stellt dem jungen Kollege diese Frage, und der antwortet: „Das ist geschmacklos!“ Aber tatsächlich lässt Thomas Pregel in der Schlachterei des Dorfes eine Leiche am Fleischerhaken baumeln, entsetzlich zugerichtet. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Der Roman "Kaltsommer" von Thomas Pregel. Foto: Anja Rüstmann

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 35 Kapitel lang auf 246 Seiten ermittelt die Polizei in einem Sumpf. Psychologisch geschickt finden die zermürbenden Vernehmungen im Polizeirevier an der Parkstraße in Neumünster statt. Bis vor wenigen Jahren gab es dort wirklich das Revier, jetzt wohnen unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in dem Haus am Parkcenter. Thomas Pregel (38) ist „nebenan“ zur Schule gegangen, in der Klaus-Groth-Schule hat er sein Abitur gemacht. Rencks Park, der Dönerladen-Laden um die Ecke, die Innenstadt von Neumünster, die Wohnung im Ärztehaus an der Ecke Parkstraße/Christianstraße beschreibt er aus seiner Erinnerung und versetzt die Leser damit an bekannte Schauplätze.

 Schönböken dagegen hat er bevölkerungsmäßig erst einmal entkernt. Die handelnden Personen sind frei erfunden. Die Umgebung aber nicht. In Kaltsommer befindet sich die Schlachterei, der Tatort, dort, wo früher in Schönböken der Dorfladen war. „Wir haben früher in unmittelbarer Nähe gewohnt“, erzählt er. Dass über dem Dorf Kaltsommer immer Nebel hängt, die Atmosphäre drückend ist, das Wetter schlecht, das ist natürlich frei erfunden.

 Der Familienkrimi ist packend geschrieben. Ein Buch, das man ungern aus der Hand legt, da vielleicht schon auf der nächsten Seite der Täter oder die Täterin zusammenbricht und ein Geständnis abgelegt. Tut aber niemand. Die Ermittlungen gehen weiter - und führen schließlich doch zum Erfolg. Rund ein halbes Jahr hat Pregel an dem Buch Kaltsommer geschrieben. Das Buch ist dialoglastig – aber spannend angenehm.

 Vor ein paar Jahren hatte der Autor seine Geschichte eigentlich als Theaterstück angelegt. Geplant ist nun eine Holsteiner Trilogie. „Teil zwei wird dann tatsächlich autobiografisch“, verrät Pregel. Der Sohn zieht nach Berlin. Wie er. In Bad Segeberg geboren, wuchs er in Schönböken auf, ging zum Zivildienst ins Klosterstift nach Bordesholm und studierte dann in Berlin Judaistik, Soziologie und Mittelalterliche Geschichte. Heute lebt er dort als freier Lektor und Dozent. Erschienen sind von ihm bereits mehrere Romane und Anthologien.

 „Der zweite Teil ist fast fertig, vier Kapitel und der Epilog fehlen noch“, sagt Pregel. Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Herbst 2017. Personell werden die Romane nichts miteinander zu tun haben, inhaltlich gibt es aber Gemeinsamkeiten. Für Teil drei hat er bereits die Idee, doch dieser Roman soll mehrere hundert Seiten schwer werden – eine Mammutaufgabe, der sich Pregel in seiner lockeren Art gerne stellt.

 Doch nun ist ja erst einmal Kaltsommer auf dem Markt. Es sind einige Lesungen geplant, auch in seiner Heimat. Am 6. September liest er im KDW am Waschpohl in Neumünster, am 10. September auf der Landesgartenschau in Eutin. Gewidmet ist das Buch seinen Geschwistern, von seiner Schwester stammt übrigens das Titelbild: Eine nebelverhangende Ansicht des kleinen Schierensees zwischen dem Stolper und dem Belauer See, wo sie zusammen als Kinder oft schwimmen waren.

 Info: „Kaltsommer“ ist im Größenwahn-Verlag (Frankfurt) erschienen, für 22,90 Euro gibt es den Roman im Buchhandel; ISBN: 978-3-95771-083-3.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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