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Tierische Probleme im Verein

Rücktritt gefordert Tierische Probleme im Verein

Eine Unterschriftenliste trägt 250 Namen. Tierfreude fordern darin den sofortigen Rücktritt des gesamten Vorstands des Tierschutzvereins Neumünster. Die Vorwürfe: Schließung der Tierauffangstelle, Rufschädigung des Vereins und wegbrechende Mitgliederzahlen.

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Seit Anfang August ist die Tierauffangstelle im Stadtwald geschlossen.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Die Liste ist lang. Exakt 250 Unterschriften trägt sie. Vereinsmitglieder, Ehrenamtler, Tierpaten und Tierfreunde – die meisten haben sich als Tierhalter tituliert – fordern den sofortigen Rücktritt aller Mitglieder des Vereinsvorstandes, des Wirtschaftsbeirates sowie des Ältestenrates des Tierschutzvereins Neumünster. Die Schließung der Tierauffangstelle, Rufschädigung des Vereins und wegbrechende Mitgliederzahlen werden ihnen vorgeworfen. An der Spitze des Vereins steht seit 25 Jahren Gisela Bünz.

 Seit 28 Jahren kümmert sie sich um die Tiere in der Auffangstelle, hat ihre Freizeit investiert, ist spätabends oder an Wochenenden rausgefahren, ist eingesprungen, hat eigene Urlaube gestrichen. „Das war mein Leben“, sagt sie. Viele stehen hinter Gisela Bünz, einige haben sich abgewendet. Die Situation ist verfahren, emotional hochgekocht, von Streit geprägt, Vorwürfen, Verleumdungen. Jetzt fordert ein Teil der Vereinsmitglieder den Rücktritt, „um durch eine komplette Neubesetzung aller Posten endlich den gewünschten Neuanfang der Tierauffangstelle unter sachkundiger Führung gewährleisten und erzielen zu können“, heißt es in einem Schreiben, das der Redaktion der Kieler Nachrichten, ebenso wie eine Kopie der Unterschriftenliste, vorliegt. Ein Kreis von acht Mitgliedern soll es sein, der das forciert. Im Brief geben sie sich nicht zu erkennen.

 Seit dem Spätsommer steht die Tierauffangstelle im Stadtwald leer und darf keine Tiere mehr beherbergen. Träger und Betreiberverein ist der Tierschutzverein. Ihm wurde von der Veterinärbehörde der Stadt am 3. August die Erlaubnis für das Betreiben der Tierauffangstelle entzogen. Begründet wurde es durch bauliche, hygienische und personelle Defizite. „Fehlende Zuverlässigkeit der 1. Vereinsvorsitzenden Gisela Bünz“, nennen es die Unterzeichner. Seit 2014 habe es mehrfach amtliche Kontrollen der Veterinäraufsicht gegeben. „Es verging ein Zeitraum von mehr als zweieinhalb Jahren, trotzdem hat es der Vorstand des Tierschutzvereins nicht geschafft, die (...) Forderungen vollständig umzusetzen und Einigung mit der Stadt zu erzielen.“

 Als oberste Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein habe die Veterinäraufsicht herausgestellt, dass ein Rücktritt von Gisela Bünz aufgrund ihres Verhaltens und der fehlenden Sachkunde unabdingbar gefordert wird. Gegenüber unserer Zeitung hatte Gisela Bünz schon Ende August gesagt, dass sie sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehe und zu den turnusmäßig anstehenden Neuwahlen bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht wieder kandidieren will. Die findet am 8. März statt. „Ich kandidiere nicht wieder für den Posten der 1. oder 2. Vorsitzenden“, erklärte sie gestern noch einmal. „Definitiv!“ Auch der 2. Vorsitzende werde sich nicht erneut wählen lassen. „Dann muss es doch wieder eine Gesprächsbereitschaft geben. Dem will ich auch nicht im Wege stehen“, so Gisela Bünz. Denn ihr liegen vor allem die Tiere am Herzen. „Und die können doch nichts dafür!“

 Der anderen Seite geht es auch um die Tiere. „Zum Wohle der Tiere“ wird der Rücktritt aller Vorstandsmitglieder, des Wirtschaftsbeirates und des Ältestenrates gefordert. „Aber die haben sich doch nicht zuschulden kommen lassen“, wundert sich Gisela Bünz. „Den Rücktritt können die doch nicht fordern!“ Tun sie aber. „Wir appellieren an die jetzigen Vereinsvorsitzenden und auch an den gesamten Tierschutzverein, einer erneuten kurzfristigen Wiedereröffnung noch in diesem Jahr nicht im Wege zu stehen“, heißt es im Brandbrief.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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