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Wer wedelt denn da wen an?

Bad am Stadtwald Wer wedelt denn da wen an?

Wenn sich Kollegen anwedeln, schwungvoll und höchst konzentriert ihr nordisches Wacheltuch über dem Kopf kreisen lassen und sich dann über Gurken- und Ingwer-Limetten-Duftnoten unterhalten, ist Fortbildung angesagt.

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Aufstellung im Kreis, dann wird gewedelt. Krystina Winterberg schaut sich an, wie Arne Kohls das Handtuch schwingt.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Es ist eine höchst seriöse Sache, mit einem absolut sinnvollen Hintergrund, und selbstverständlich wichtig. Tom Keidel, Leiter des Bads am Stadtwald, nennt es „Steigerung der Servicequalität“. Aber wenn ein Saunameister im Zusammenhang mit einem Seminar von „Auffrischung“ redet, muss man auch ein bisschen schmunzeln können.

Ein Dutzend Mitarbeiter des Bads nehmen im Kreis Aufstellung, um es den beiden Trainerinnen vom Deutschen Saunabund nachzutun: die „Halbe Acht“, die „Ganze Acht“ und schließlich den „Propeller“. Es geht tatsächlich um Wedeltechniken. „Du hast mich getroffen!“, schimpft eine Mitarbeiterin. Der Kreis rückt etwas weiter auseinander.

Unterschiedliche Wedeltechniken

Aromatische Aufgüsse mit ätherischen Ölen in der Sauna sind nur der halbe Spaß. Unterschiedliche Wedeltechniken gehören zum Handwerkszeug der Saunameister. Und jetzt lernen auch andere Fachangestellte, zum Beispiel aus der Beckenaufsicht, wie gewedelt wird. „Montags ist Frauensauna, da wäre es natürlich schön, wenn auch eine weibliche Mitarbeiterin den Aufguss macht“, sagt Keidel.

Mit einem normalen Handtuch geht das Wedeln nicht. Es muss ein Wacheltuch sein. Ob österreichisch (rot) oder nordisch (blau) ist vermutlich egal. Wichtig ist das Material: schwerer Zwirnfrottier. Mit der Größe 75 mal 60 Zentimeter liegt es gut in der Hand und verdrängt optimal die Luft, heißt es im Internet. Und wenn kein Wacheltuch zur Hand ist? Der Profi wedelt auch schon mal mit einem Fächer oder einer großen Frisbee-Scheibe, es gibt auch Saunameister, die einen Hexenbesen schwingen ...

Die moderne Sauna

Arne Kohls, Peter Göttsche und Michael Schubotz sind bereits Saunameister im Bad am Stadtwald, sie nehmen trotzdem am Seminar teil und wollen ihr Wissen in dieser schwitzigen Thematik „auffrischen“. „Was macht eine moderne Sauna aus?“, ist der Untertitel der Mitarbeiterschulung. Drei Stunden wird das Wacheltuch geschleudert, gedreht, entfaltet, geschwungen, ausgeschüttelt. Krystina Winterberg und Ulrike Martmann geben sich alle Mühe, die Seminarteilnehmer auch. Abschlagtechniken sind ernst zu nehmen, und zum Schluss kommt die „Affenschaukel“ – ein seichtes Wedeln über den Köpfen der Saunagänger zum Entspannen. Die Stimmung ist gelöst und locker, aber es wirkt, als ob die Übungen ab und zu ein Schmunzeln in die Gesichter der Teilnehmer wedeln.

Dosierung will gelernt sein

Neben dem Wedeln geht es im Tagesseminar auch um die Dosierung von Aufgussmitteln. Auch das will gelernt sein. Die Saunameister aus dem Bad am Stadtwald machen in der Spätschicht stündlich Aufgüsse. Was ist besonders beliebt? „Das ist saisonbedingt“, sagt Peter Göttsche. Im Dezember waren weihnachtliche Düfte gefragt. „Nadelbaumöle gehen immer“, weiß Arne Kohls, der aber auch schon einmal einen „Gurken-Aufguss“ gemacht hat. Ingwer-Limette oder Anis-Fenchel gehören zum Repertoire. Aber ohne vernünftiges Wedeln geht eben gar nichts. Und das können jetzt ein Dutzend Mitarbeiter.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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