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Schäfer fürchten den Wolf

Schnuckentag im Dosenmoor Schäfer fürchten den Wolf

Kein bisschen schaurig war’s, übers Moor zu gehen: Schließlich vertrauten sich die Besucher beim Schnuckentag am Sonntag mit Michael Muszeika und Helmut Nickel vom Info-Zentrum Dosenmoor kompetenten Führern an. Die brachten sie auch abseits der offiziellen Wege „quermoorein“ sicher zur kombinierten Schnucken- und Ziegenherde von John Kimmel.

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Anna Kimmel war am Moorschnuckentag mit der Herde ihres Vaters und Hütehunden im Dosenmoor unterwegs.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Bis dorthin gab’s Impressionen und Informationen rund um Schleswig-Holsteins wertvollstes Hochmoor, dessen Renaturierung nach dem Lizenz-Verzicht der Familie Hornung in den 70er Jahren beginnen konnte. Relikte vom letzten großen Moorbrand vor drei Jahren wurden bestaunt: Über angekohlte Birken hat sich der Birkenporling-Pilz hergemacht. „Innerhalb von nur drei Monaten verlieren die Birken dann 50 bis 70 Prozent ihrer Zellulosemasse. Das ist jetzt ein idealer Lebensraum für den Kleinspecht“, berichtete Muszeika.

 Unterwegs lauschten die Wanderer den Rufen von Rohrammer, Weidenlaubsänger und Baumpieper. Dann kam endlich die Herde in Sicht, die vertretungsweise Tochter Anna mit den Altdeutschen Hütehunden Bud und Ylwa durchs Moor lotste. Die sechs Monate junge Nele an der Leine beginnt gerade ihre Ausbildung.

 Von Mai bis in den Oktober hinein sind die anspruchslosen vierbeinigen Landschaftspfleger, die Pfeifengras und Birken kurz halten, unterwegs. „1000 Schafe und 30 Mutterziegen mit 400 Lämmern. Ziegen fressen auch ein Stockwerk höher“, klärte Anna Kimmel, seit 19 Jahren als Berufsschäferin bundesweit unterwegs, die Besucher auf. Die Tiere übernachten nachts im Pferch außerhalb des Moores; die Schäfer und Hunde daheim.

 Natürlich war auch der Wolf Thema. „Der bedroht unsere Existenz“, ist die passionierte Tierwirtin überzeugt. Der Betrieb ihres Vaters, ansässig in Alt Duvenstedt, hat sich vorsichtshalber einen ersten Herdenschutzhund angeschafft. „Das gehört nicht zu den Aufgaben von Hütehunden. Und wenn der Schäfer erst wieder bei der Herde übernachten muss: Wie soll das finanzierbar sein?“

 „Übrigens brütet das Blaukehlchen wieder im Dosenmoor“, informierte Helmut Nickel sein Publikum. Der Wachtelkönig hat vor drei Wochen einige Tage Station gemacht. Vier bis sechs Kranichpaare ziehen hier regelmäßig Junge groß. 88 Kraniche hatten sich im Herbst in vernässten, unzugänglichen Bereichen vorübergehend niedergelassen. Und Muszeika ist neulich auf Foto-Pirsch sieben Wildschweinen begegnet. „Die waren Gott sei Dank auf einem anderen Damm unterwegs.“

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