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Schmackhaftes hinter Gittern

Rezeptsammlung ist erschienen Schmackhaftes hinter Gittern

Ein Risotto mit Waldpilzen serviert im Gang vor den Zellen; Frikadelle, Kohlrabi und Möhren in Rahm, Petersilienkartoffeln auf einem Tisch in der Gefangenenbibliothek; Weißkohleintopf mit Kochwurst zum Freigang im Hof – „Kochen wie im Knast“ ist der Titel eines 34-seitigen Heftchens.

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Das Heft „Kochen wie im Knast“ mit Rezepten aus der JVA Neumünster ist jetzt erschienen, zum Beispiel Vegetarischer Risotto mit Waldpilzen. Fotografisch in Szene gesetzt wurde das Gericht in einem Zellengang der JVA.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Die Gerichte sind nicht nur fotografisch in der Justizvollzugsanstalt Neumünster in Szene gesetzt worden, sie stammen auch von dort. Die Rezepte kommen aus der Lehrküche der JVA und wurden von Auszubildenden gekocht, die hier ihre Haftstrafe verbüßen. Herausgegeben wird das Kochheft von Hempels anlässlich des 20. Geburstages des Straßenmagazins im kommenden Jahr. Zu haben ist es ab sofort bei den rund 220 Hempels-Straßenverkäufern unter anderem in Kiel, Rendsburg und Eckernförde für 1,80 Euro, davon gehen 90 Cent an den Verkäufer. Gedruckt wurde es in einer Auflage von 100000 Stück.

 JVA-Leiterin Yvonne Radetzki erklärt, warum sich die Justizvollzugsanstalt an dem Kochheft beteiligt. „Etwa 90 Prozent der jugendlichen und 60 Prozent der erwachsenen Inhaftierten sind zu Beginn der Haft ohne Berufsabschluss“, sagt sie. In der JVA können sie eine Ausbildung machen oder zumindest anfangen, und das in den Gewerken Elektrotechnik, Metallbau, Tischlerei, Bäckerei, Maschinenbau, Koch, Bau und Malerei. Rund 170 Gefangene befinden sich zurzeit in den schulischen oder beruflichen Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. „Mir ist es wichtig, dass die Leser einen Eindruck davon bekommen, was hinter den verschlossenen Mauern passiert“, so Radetzki.

 Neben 24 Arbeitsplätzen in der Großküche können acht Inhaftierte in der Lehrküche im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung den Facharbeiterbrief zum Koch erwerben. Gekocht wird dabei nicht nur zu Übungszwecken. Die Gerichte werden im Lehrküchenrestaurant „Fallada“ Bediensteten und Gästen angeboten. Auch die Kabinettsmitglieder des Landtages werden in ihren Sitzungen einmal monatlich durch die Lehrküche der zentralen Ausbildungsanstalt Neumünster verpflegt. Und jetzt wurde eben auch für „Kochen wie im Knast“ zubereitet.

 In der JVA gibt es 598 Haftplätze für erwachsene männliche Strafgefangene mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis fünf Jahren. Einen Einblick in die Welt der Inhaftierten geben außerdem Fotos in dem Kochheft. Die Gerichte, übrigens immer mit Nachspeise, sind an verschiedenen Orten in der Anstalt fotografiert worden. In einer der Zellen oder der Bibliothek, mit Blick auf die Sporthalle oder im Hof, in den Lehrwerkstätten oder im ehemaligen Gebetsraum der JVA. Die Anstalt wurde 1901 bis 1905 erbaut, die Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

 Steckrübenmus, Bauernfrühstück oder Nudelauflauf sollen jetzt nicht nur den Lesern des Heftes schmecken, sondern den Hempels-Straßeverkäufern eine Möglichkeit bieten, ihr Einkommen aufzubessern, wie Reinhard Böttner, Geschäftsführer von Hempels, erklärt. Der Straßenverkauf ist ein Angebot zur Selbsthilfe. Für viele sei die Arbeit ein erster Versuch, im Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen.

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