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Siebtklässler lernen, Leben zu retten

Neumünster Siebtklässler lernen, Leben zu retten

Luci (13), Lotta (13) und Juliana (12) legen sich ins Zeug. Die Puppe vor ihnen atmet nicht mehr. Sie beginnen mit der Herz-Druck-Massage. „Schüler retten Leben“ heißt das Projekt, bei dem die Teenager in der Gemeinschaftsschule Brachenfeld in Neumünster zu Lebensrettern ausgebildet werden sollen.

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Juliana (12, von links), Lotta (13) und Luci (13) aus der Klasse 7a der Gemeinschaftsschule Brachenfeld üben an der Puppe die Herz-Druck-Massage und Beatmung. Sie werden zu Lebensrettern ausgebildet.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. 30-mal kräftig in der Mitte des Brustkorbs drücken, dann zweimal die Puppe beatmen. Und wieder von vorne. Die langen Haare der Mädels fliegen. Mit aller Kraft und ihrem ganzen Gewicht versuchen sie, den Kreislauf der Puppe wieder in Gang zu bringen. Nicht aufhören, das kann tödlich sein. „Ganz schön anstrengend“, sagt Luci, die im Schulsanitätsdienst der Gemeinschaftsschule mitarbeitet. Sie pumpt dennoch ruhig, die Übung ist für sie nichts Neues. Wohl aber für ihre Mitschüler aus der Klasse 7a. Die Brachenfelder ist eine von drei Pilotschulen im Land.

 „Gleich stirbt sie!“, entfährt es Juliana, als ihre Mitschülerinnen eine kleine Pause machen. Die Jugendlichen nehmen die Aktion ernst. Schließlich geht es um Leben und Tod. „Dass auch Laien Menschen wiederbeleben können, sollte immer mehr eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft werden“, hatte Bildungsministerin Britta Ernst zum Start des Projektes gesagt. Die schleswig-holsteinischen Schulen, das UKSH und die Landesarbeitsgemeinschaft „Erste Hilfe“ der Hilfsorganisationen arbeiten Hand in Hand. Ihr großes Ziel: landesweit alle Siebt- und Achtklässler auszubilden.

 Nach Lübeck und Kiel sind jetzt die Siebtklässler der Gemeinschaftsschule Brachenfeld zwei Tage lang an der Reihe. Lars Pohl unterrichtet Naturwissenschaften und leitet den Schulsanitätsdienst. Zusammen mit seinem Kollegen Hendrik Roßmann sowie Jan Wnent vom UKSH-Institut für Rettungs- und Notfallmedizin und Stefan Neuhardt vom DLRG-Landesverband erklärt er den Schülern, was zu tun ist, wenn jemand zusammengebrochen ist, nicht mehr atmet und keine Reaktionen zeigt. Dann zählt jede Sekunde. 90 Minuten ist Zeit, den Teenagern die wichtigen Handgriffe beizubringen und ihnen sogar noch eine Einführung in die Handhabung eines Laien-Defibrillators zu geben.

 Rund 150 Siebtklässler lernen, Leben zu retten. Dazu gehört auch, richtig Hilfe zu holen. Umstehende direkt ansprechen, 112 anrufen, einen Defibrillator bringen und die Rettungskräfte einweisen lassen. „Hört nicht auf, bis der Rettungsdienst da ist und es euch sagt“, schärft Lars Pohl den Schülern ein. Und dann dürfen sie an zehn Puppen, die von der UKSH-Förderstiftung für das Pilotprojekt angeschafft wurden, üben. Und spüren, wie es sich anfühlt. Auf dem Fußboden des Klassenzimmers und auf dem Flur werden zehn Puppen wiederbelebt. Es mutet wie Sportunterricht an, die Jugendlichen beweisen Kondition. Nach der praktischen Doppelstunde wird es ruhiger, es gibt noch Theorie – und einen Blick in einen Rettungswagen, den Benjamin Maier, Schüler des 13. Jahrgangs und beim DRK aktiv, vom Katastrophenschutz besorgt hat. Die Siebtklässler sind gewappnet, die Pilotprojekt-Beteiligten hoffen, dass das Schule macht.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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