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Stadt schließt die Tierauffangstelle

Verein kündigt Widerspruch an Stadt schließt die Tierauffangstelle

Die Veterinäraufsicht der Stadt hat die Tierauffangstelle vorübergehend geschlossen. Bauliche, hygienische und personelle Defizite seien der Auslöser. Der Tierschutzverein darf keine Fundtiere mehr aufnehmen. Die sollen jetzt ins Tierheim Kiel umgeleitet werden. Der Trägerverein kündigte Widerspruch an.

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Gisela Bünz und Tierpfleger Frank Schmidt mit Mischling Manieh im Hundehaus, in dem derzeit nur acht Zwinger belegt sind.

Quelle: Sven Detlefsen

Neumünster. Die Schließung wurde in einem entsprechenden Bescheid am Mittwoch von der städtischen Veterinäraufsicht der Abteilung Ordnungsangelegenheiten im Rathaus verfügt. „Dabei steht das Wohl der Tiere im Vordergrund“, meinte Stephan Beitz, Pressesprecher der Stadt. Aktuell habe die Tierauffangstelle keine Erlaubnis, ein Tierheim im Sinne des Tierschutzgesetzes zu betreiben. Es fehle eine ausreichend qualifizierte Leitung, außerdem seien mehrfach amtlich angemahnte Verbesserungen bezüglich hygienischer und baulicher Mängel nicht abgestellt worden. Als Beispiele nannte Amtsveterinärin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp die Nichteinhaltung von Quarantäne für neue Tiere, fehlende Desinfektion und Schutzkleidung bei den Mitarbeitern oder nicht sachgemäße Lagerung von Futtermitteln. „Das gefährdet die Gesundheit der Tiere.“ Konkrete Einzelfälle wollte die Tierärztin unter Verweis auf laufende Verfahren nicht nennen.

 „Ich hoffe, dass wir das noch abwenden können“, reagierte Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins, auf Anfrage. Sie kündigte an, dass der Verein über seinen Anwalt beim Verwaltungsgericht Widerspruch einlegen werde. „Es gibt keinen Grund, unser gut funktionierendes Tierheim zu schließen“, meinte die Tierschützerin. Die angeführten Gründe wies sie zurück. Es gehe vielmehr um einen „persönlichen Streit“ mit den Amtstierärzten, so Bünz. Die Einrichtung werde seit längerem mit kleinlichen Kontrollen überzogen. Eine Schließung mache keinen Sinn: „Die Menschen stehen mit den Tieren doch bei uns vor der Tür.“

 Die Schließung ist die Eskalation einer seit Jahren schwelenden Auseinandersetzung. Seit 2014 gab es mehrfach Gesprächsrunden des Tierschutzvereins mit Vertretern der städtischen Verwaltungsspitze. Auch das Land habe die Position der Stadt gegenüber dem Verein „vollumfänglich“ bestätigt. Die ehrenamtlichen Helfer würden „tolle Arbeit“ leisten, meinte Holger Schwark, Ordnungsamt der Stadt. Aber der Auffangstelle fehle es an „professionellen Strukturen“. Seit März seien zum Beispiel die monatlichen Fallzahlen nicht gemeldet worden, die aber die Basis für die Gewährung des städtischen Zuschusses von derzeit über 31000 Euro seien. Der Verein gibt seine jährlichen Gesamtkosten mit 160000 Euro an, der Großteil wird aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.

 Gisela Bünz, die seit 28 Jahren im Tierschutz aktiv ist, räumt ein, dass die eigene Verwaltung nicht optimal ist: „Da sind wir etwas rückständig.“ Zum Beispiel fehlt ein Computer. Dafür bräuchte das Tierheim aber eine Verwaltungskraft. Die beiden angestellten Tierpfleger seien voll eingespannt. Auch das Problem der fehlenden Qualifikation in der Leitung sei eigentlich schon gelöst. Der Tierschutzverein habe eine Tierärztin unter Vertrag genommen, die die Arbeit der Pfleger und Ehrenamtlichen überwachen werde. Das sei der Stadt auch mitgeteilt worden, so Bünz.

 Der Tierschutzverein nimmt in der Auffangstelle jährlich über 700 Tiere, vor allem Katzen und Hunde, aber auch andere Kleintiere, auf. Im Auftrag der Stadt waren es 2015 über 180 sogenannte „Fundtiere“, die die Kommune „tierwohlgerecht“ unterbringen muss. Diese Aufgabe übernimmt vorerst der Verein Tierhilfe Neumünster, Plöner Straße 141. Gefundene Tiere können dort unter Tel. 0151/54863759 montags bis sonnabends von von 17 bis 19 Uhr gemeldet werden. Alternativ können Tiere aus Neumünster auch im Tierheim Kiel, Uhlenkrog 190, abgegeben werden.

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Ein Artikel von
Sven Detlefsen
Ressortleiter Holsteiner Zeitung

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