23 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Kunstwerke aus feinem Müllstaub

Stadttöpferei Neumünster Kunstwerke aus feinem Müllstaub

Wie bitte? Ganz richtig: Inhalte von Staubsaugertüten aus Neumünsteraner Haushalten hat Lucie Libotte, zusammen mit Irina Razumovskaja aktuelle Artist in Residence in der Stadttöpferei im Fürsthof 8, mit heller Gießmasse zu keramischer Kunst gebrannt.

Voriger Artikel
62 Punkte für die Traumhochzeit
Nächster Artikel
„Knast“-Bus mit modernster Technik

So unterschiedlich kann das künstlerische Ergebnis ausfallen, wenn man Hausstaub im Keramikgefäß durch den Brennofen schickt, demonstriert Lucie Libotte. Im Hintergrund hängen Tütchen mit Stäuben.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. „So etwas Ekliges und Überflüssiges wollen Sie wirklich haben für das Projekt?“, fragte konsterniert so mancher der 21 Neumünsteraner, die der Aufforderung nachgekommen waren, besagtes private „Abfall“-Produkt vorbeizubringen. Die 29-jährige Libotte, gebürtige Belgierin, die seit Jahren in London lebt, betrachtete es interessiert als Arbeitsmaterial. Schon bei der Begutachtung der Plastiktütchen zeigten sich ganz individuelle Inhalte. „Obwohl doch alle in derselben Stadt leben“, übersetzte Projektbegleiterin Danijela Pivasevic-Tenner.

 Im einen Tütchen schimmerte es bläulich, im anderen pink. Es gab erkennbar natürliche Materialien im Staub wie Tannennadeln, Steinchen und Blätter, Synthetisches wie Resopalsplitter und Unorganisches wie Abfallreste elektrischer Geräte. Meist dominierten Textilwollreste. Portiönchen jeder „Staubeinheit“ wurden separat in eine zylindrische Form (unten Schale, oben Deckel) aus Gießmasse gefüllt und bei 1150 Grad im Ofen gebrannt.

 Heraus kamen faszinierende Ergebnisse. Mal hatte das Material durch den Brand einfach die Schale grau eingefärbt. Mal eine Oberflächenstruktur mit Einsprengseln hinterlassen. „Anteile von Silikat und Glas“, vermutete Libotte. Oder war zu einer Schicht von Beige farbenen Körnchen mutiert. Was Libotte mit ihrem Projekt, das sie auch schon in Frankreich und Italien mit dortigem „Abfall“ realisierte, ausdrücken will: „Müllstaub hat eine andere Wertigkeit, als man meint. Schmutz mutiert durch den Brennprozess zu visuell schönen Eindrücken.“

 Ihre Ergebnisse und die Wasserturm-Installationen der 24-jährigen Razumovskaya aus St. Petersburg, die sich keramisch-abstrakt auch mit Neumünsters Industrie-Geschichte auseinander setzte, dürfen in der Museumsnacht am  Sonnabend ab 18 Uhr bewundert werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Neumünster Events

Veranstaltungen in
Neumünster. Aktuelle
Termine, News, Infos

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Neumünster 2/3