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Tote im Fass: Ihr Mann fälschte Briefe

Tat vor 24 Jahren Tote im Fass: Ihr Mann fälschte Briefe

24 Jahre nach dem grausigen Verbrechen an Franziska Sander gibt der Fall den Ermittlern weiter Rätsel auf: Zwar hat ihr Ehemann gestanden, die damals 26-Jährige im Streit erwürgt und in einem Metallfass versteckt zu haben, die genauen Umstände sind allerdings noch unklar.

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Hannover, Lavesstraße 16: Hier hatte der Beschuldigte gelebt. Über seinen Wohnsitz in Neumünster ist nichts bekannt.

Quelle: Neue Presse

Neumünster. So lange müssen Polizei und Staatsanwaltschaft von Totschlag und nicht von Mord ausgehen.

„Der Beschuldigte hat sich eingelassen, dass es Streit mit seiner Frau gegeben und er sie im Affekt erwürgt habe“, sagt Thomas Klinge, Oberstaatsanwalt in Hannover. Details habe der heute 52-Jährige jedoch nicht genannt. „Das medizinische Gutachten der Obduktion steht noch aus, wir wissen aber bereits, dass aufgrund des Zustandes des Leichnams keine Ursachen für einen möglichen Tatablauf herzuleiten sind“, berichtete der Ermittler. Untersuchungen der Rechtsmedizin und der Kriminaltechnik in Hannover laufen.

 Da die Fahnder dem Beschuldigten aus Neumünster bislang nur Totschlag vorwerfen können, das Verbrechen aber laut Strafgesetzbuch nach 20 Jahren verjährt ist, bleibt der Schweißer auf freiem Fuß. Offenkundig hatte der Mann den Angehörigen das Verschwinden von Franziska Sander glaubhaft erklären können. „Es stand damals im Raum, dass sie sich von ihrem Mann getrennt hatte und ins Ausland gezogen war“, sagte Polizeisprecher Holger Hilgenberg. Dabei soll er Angehörigen Briefe vorgelegt haben, die die Frau angeblich aus den USA geschrieben hatte. In Wahrheit hatte er die Briefe selbst geschrieben. Erst 2013 waren die Zweifel der Angehörigen so groß, dass sie eine Vermisstenanzeige stellten.

 Nach dem Geständnis des Ehemannes rückten Fahnder aus Hannover in Zivil an und sicherten das Fass mit dem Leichnam in Neumünster, ohne Aufsehen zu erregen. Umso größer ist das Aufsehen jetzt: „Alle wollen wissen, wer das war und wo das Fass gestanden hat“, sagt Peter Plön. Für die Neumünsteraner sei es ein „ungutes Gefühl“, den Täter unerkannt in der Stadt zu wissen. Der Motorradhändler kritisiert die „mediale Aufarbeitung“. Die Leiche über 20 Jahre zu verstecken und dann alles zu gestehen, sei eine Blaupause für „perfekten Mord“.

Jessica Kraft (35) aus Großharrie meint: „Für mich ist tot eben tot, ob nun Totschlag oder Mord. Ein Täter muss seine Strafe bekommen.“ Recht und Gerechtigkeit seien hier nicht kompatibel. Wenigstens könne die Familie der Frau mit dem Fall abschließen und trauern. Solche Fälle kenne man eigentlich nur aus Filmen, findet Christian Störzinger. „Eine Frau ist verschwunden, das Fass mit der Leiche ist gefunden, es hat jemand gestanden“, sagt Gerd Kühl, CDU-Fraktionschef in der Ratsversammlung. „Im Zweifel ist der Mann unbescholten im rechtlichen Sinne.“ Als Jurist und Anwalt verteidigt er das deutsche Rechtssystem, „auch wenn es in diesem Fall subjektiv vielleicht nicht in Ordnung zu sein scheint“. SPD-Fraktionschef Volker Andresen sagt: „Ich sehe keinen Grund, das rechtsstaatliche Verfahren anzuzweifeln.“ Ähnlich äußert sich Thomas Krampfer. Der Ratsherr der Grünen meint: „Gesetze sind zu akzeptieren.“ Er hält nichts davon, jetzt eine Gesetzesänderung zu diskutieren: „Der Mann ist zwar frei, aber nicht frei von Schuld.“

 In sozialen Netzwerken stößt fast ausschließlich auf Unverständnis, dass der Mann in Freiheit ist. So schreibt Nicole J. bei Facebook: „Ich kann es nicht verstehen, dass so etwas verjähren kann. Als ob es nach 20 Jahren weniger schlimm ist.“

Von Sven Detlefsen und Bastian Modrow

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Neumünster: Fall nach 24 Jahren gelöst
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