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Ringkreuzungen für Radler gefährlich

Unfallstatistik Neumünster Ringkreuzungen für Radler gefährlich

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen Verletzten ist innerhalb eines Jahres im Stadtgebiet von Neumünster um 15,6 Prozent angestiegen. Die Zahl der Unfallfluchten wuchs sogar um 21 Prozent auf 770 an. Unfallschwerpunkte für Radler waren die großen Kreuzungen entlang des Rings.

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An den großen Ringkreuzungen wie Holsatenring/Altonaer Straße verschwenken die Radwege auch in Geradeausrichtung nach rechts. An diesen Kreuzungen erfassten Autos Radfahrer, die allerdings auf der falschen Seite unterwegs waren. Die Radler auf dem Foto fahren korrekt.

Quelle: Sven Detlefsen

Neumünster. Im Jahr 2015 betrug die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in der Stadt 2087 und damit 8,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In 587 Fällen (plus 11,6 Prozent) handelte es sich um „qualifizierte“ Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder Straftaten wie Alkohol oder Drogen am Steuer eine Rolle spielten. „Wir hatten sehr, sehr viele Baustellen im Stadtgebiet“, erinnert Inga Näthke, die das Sachgebiet Verkehr der Polizeidirektion leitet. Außerdem dürfte unter anderem das Designer Outlet Center an der Südumgehung für deutlich mehr motorisierte Besucher und damit mehr Verkehr in Neumünster gesorgt haben. Aus der Unfallstatistik der Polizei lassen sich allerdings keine eindeutigen Gründe ablesen.

 „Wir wollen den Trend der anwachsenden Unfallzahlen wieder umkehren“, macht Inga Näthke deutlich, dass sie und ihre Kollegen weiter Ursachenforschung betreiben wollen. Die Ablenkung von Autofahrern am Steuer zum Beispiel durch Handys und Tablet-Computer oder auch eingebaute Bildschirme in modernen Autos könnte einer der Gründe sein. In zwei Sekunden „Blindflug“ in der Stadt legt ein Auto rund 30 Meter zurück.

 Die Sorge vor der Höherstufung der Versicherungsprämie lasse viele Autofahrer nach Blechschäden einfach weiterfahren, so Näthke. Die Polizei bekomme fast immer zu hören, dass die Fahrer an ihrem eigenen Fahrzeug keinen Schaden gefunden hätten. Eine Aufklärungsquote kann die Polizeidirektion für Fahrerfluchten nicht beziffern. Häufig seien es ältere Autofahrer oder Führerscheinneulinge, die in den typischen Situationen unsicher reagieren.

 45 Unfälle mit verletzten Fußgängern, davon 16 Kinder, zählte die Polizei 2015, nach nur 31 ein Jahr zuvor. Die Ursachen lassen sich hier ebenfalls nicht genau eingrenzen. Insgesamt waren es 76 Unfälle mit Kindern im Straßenverkehr, von denen allerdings 24 Mitfahrer in Autos waren.

 Die Zahl der Unfälle mit verletzten Radfahrern ging im Jahresvergleich erfreulicherweise von 174 auf 140 zurück. Diese Zahl schwankt von Jahr zu Jahr. 2015 war ein Jahr mit milden Wintern und wenig Glatteis, das könnte die positive Entwicklung begünstigt haben. Häufigste Unfallursache bei Radlern ist die Benutzung von Radwegen auf der falschen Fahrbahnseite entgegen der Fahrtrichtung der Autos. Beim Abbiegen würden Autofahrer die aus der ungeahnten Richtung nahenden Fahrradfahrer häufig übersehen, erklärt Dieter Teetzen von der Polizei.

 An den drei großen Ringkreuzungen mit dem Haart sowie der Altonaer und der Boostedter Straße ergibt sich ein übereinstimmendes Bild. Alle drei sind Unfallhäufungsstellen, an denen jeweils drei Radfahrer von abbiegenden Autos erfasst und verletzt wurden. Die Radwegeführung an den Übergängen mit Ampeln verschwenkt jeweils nach rechts. An der Ringkreuzung mit der Wittorfer Straße verschwenkt der Radweg nicht, die Fahrradfahrer stehen direkt neben den Autos. Dort sei kein Unfall dieser Art passiert.

 Die Polizei werde bei der Stadt in einigen Fällen anregen, die Wegeführung umzugestalten, kündigte Teetzen an. Eine Umgestaltung könnte auch an der Einmündung der Wittorfer Straße in die Altonaer Straße in der Innenstadt zur Sprache kommen. Dort sind keine Menschen zu Schaden gekommen, allerdings sind die Verkehrszeichen auf der Verkehrsinsel am Fußgängerüberweg innerhalb eines Jahres 16 mal von rechtsabbiegenden Autos umgefahren worden.

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Ein Artikel von
Sven Detlefsen
Ressortleiter Holsteiner Zeitung

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