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Künstler lässt Ikarus nochmal fliegen

Hilmar Friedrich malte neu Künstler lässt Ikarus nochmal fliegen

Einen Monat hat es gedauert, und ein fünf Jahre alter Fehler ist wettgemacht. Hilmar Friedrichs fliegender Ikarus stürzt wieder ins Meer. Das Wandgemälde des Künstlers in der Holstenschule war bei einer Renovierungsmaßnahme überpinselt worden – aus Versehen. Jetzt ist das Werk wieder freigelegt.

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Künstler Hilmar Friedrich (von links) erklärt Oberbürgermeister Olaf Tauras und Schulleiter Arno Engelmann den Aufstieg und Fall seines Ikarus im Treppenhaus des Physik- und Chemietraktes der Holstenschule.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Im Treppenhaus des Physik- und Chemiegebäudes an der Altonaer Straße sieht es inzwischen aus wie früher. 1976 hatte Friedrich von der Stadt den Auftrag bekommen, das Bild zu malen. In der Signatur unten rechts steht jetzt aber auch 2016 – das Jahr, in dem Friedrich noch einmal zum Pinsel griff. Denn sein Werk war nicht nur einfach übertüncht worden. „Die Maler haben offensichtlich mit Schmirgelpapier die Wand vorher abgeschliffen“, so Friedrich. Als Anfang Juli die Restaurationsfirma aus Paderborn anrückte, um mit scharfem Skalpell die weiße Farbe abzukratzen, kam die gründliche Schmirgel-Arbeit der Fachfirma zum Vorschein: Vom Gemälde war nicht mehr sehr viel übrig.

 Statt anberaumter zwei Wochen werkelte eine Restauratorin insgesamt vier, versuchte zu retten, was zu retten war. Und Hilmar Friedrich besserte aus und malte nach. „Eigentlich habe ich alles neu gemalt“, sagt der 77-Jährige. Rund 30 Stunden hat er mit dem Pinsel im Treppenhaus zugebracht – übrigens ohne Honorar, selbst die Farbe hat er spendiert. 1976 hatte er 6000 Mark für die Kunst am Bau bekommen, jetzt arbeitete er aus alter Verbundenheit zur Holstenschule, an der er 38 Jahre lang Kunstlehrer war. Ocker, gebranntes Siena, Weiß und Schwarz trug er Stück für Stück auf die acht Quadratmeter große Treppenhauswand auf. Nun fliegt sein Ikarus wieder mit Flügeln aus Federn und Wachs, kommt der Sonne zu nah, das Wachs schmilzt – und Ikarus stürzt ins Meer.

 Friedrich lässt Ikarus wie in Zeitlupe aufsteigen und fallen, viermal ist der griechische Überflieger auf seinem Gemälde zu sehen bis er untergeht. Oberbürgermeister Olaf Tauras schaut überraschend vorbei, auch Schulleiter Arno Engelmann stattet dem neuen, alten Kunstwerk einen Besuch ab. „Wir freuen uns, dass diese Geschichte gut zu Ende gegangen ist“, sagt Tauras. Damit meint er nicht den überheblichen Ikarus, der nach der Sonne greifen wollte, sondern, dass das übermalte Gemälde endlich wieder zum Vorschein gekommen ist. Die Sponsorensuche dafür gestaltete sich langwierig. Designer Outlet Center, die Volksbank und weitere Firmen halfen schließlich. „Ich bin zufrieden“, sagt Hilmar Friedrich, diese Woche setzte er den Schlusspunkt.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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