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Wenig Interesse an Diskussion

Satire zur Schulkino-Woche Wenig Interesse an Diskussion

„Hoffentlich haben meine Schüler die Satire verstanden“, raunte eine Lehrerin beim Verlassen des Kinos. Im Rahmen der Schulkino-Woche sahen sich Donnerstag rund 400 Schüler in zwei Sälen des Cineplex den Film Er ist wieder da an. Vier Schulklassen blieben zum Kinoseminar, jedoch wohl ohne große Lust.

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Neumünsters Jugendschutzbeauftragter Andreas Leimbach versuchte nach dem Film „Er ist wieder da“, mit Schülern ins Gespräch zu kommen.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Andreas Leimbach, Jugendschutzbeauftragter der Stadt, war gut vorbereitet und versuchte, mit den Neunt- und Zehntklässlern ins Gespräch zu kommen – leider ohne große Resonanz. Dabei hatte alles so gut angefangen. Im Kinocenter an der Christianstraße drängten die Schüler sich schon im Vorraum. Die Schulkino-Wochen sind beliebt, mehr als 4500 Schüler und Lehrer, das sind 147 Gruppen, haben sich in diesem Jahr für die knapp 30 Filmvorstellungen in Neumünster angemeldet. Landesweit sind es sogar mehr als 57000 Schüler in 40 Kinos. Und die Hitler-Satire „Er ist wieder da“ traf den Nerv der Jugendlichen, viele entschieden sich für diesen Film.

 Der Film lehnt sich nur an das Bestseller-Buch an. Adolf Hitler wacht 2014, 69 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, bei bester Gesundheit mitten in Berlin wieder auf. Er ist orientierungslos und sieht sich mit einem völlig veränderten Deutschland konfrontiert. Viele halten ihn für einen Hitler-Imitator. Von einem Fernsehjournalisten begleitet begibt sich Hitler auf eine Reise durch Deutschland. Einige Interviews von Passanten – wie Dokumentationen eingespielt – sind echt, einige Reaktionen auf „Sie können mich auch Führer nennen“ natürlich inszeniert. Während des Filmdrehs, das wusste Leimbach, war immer ein Security-Team zum Schutz dabei.

 Beim Fernsehen klickt sich Hitler durchs Trash-TV, zappt von Talk- über Gerichts- bis zur Kochshows. „Ich bin froh, dass Goebbels das nicht mehr mitbekommen muss!“ Die Jugendlichen lachen. Einige kennen Film oder Buch bereits, und ihr Interesse erscheint zu erlahmen. „Wie war denn der Film?“, fragte Leimbach – und erntete Stille. Ein Mädchen ließ sich schließlich zu einem „Gut“ hinreißen.

 Ein paar Szenen sind aus anderen Filmen geklaut. Aus „Der Untergang“ und „Terminator II“ zum Beispiel. Fernsehshows wie „Circus HalliGalli“ oder Frank Plasbergs „hart aber fair“ finden sich in den Film wieder, einige YouTuber haben Gastauftritte. Das ist auch ein paar Jugendlichen aufgefallen. Sie sprechen nun doch mit Andreas Leimbach. Andere gähnen. Über die Reaktion von Neonazis im Film, die Hitler verprügeln, will so recht keiner diskutieren.

 „Es war ja auch nicht alles schlecht“, sagt Oliver Masucci (Hitler) im Film. Katja Riemann (Katja Bellini) behauptet „Den Schülern kommt das Dritte Reich doch aus den Ohren raus.“ Im Unterricht soll der Film, der von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat „besonders wertvoll“ erhielt, noch einmal besprochen werden.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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