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Widerstand gegen NS-Regime

Ausstellung Rote Kapelle Widerstand gegen NS-Regime

„Die Rote Kapelle war ein eher loses Netzwerk verschiedener Widerstandsgruppen: Arbeiter, Adlige, Sozialisten, sogar NSDAP-Mitglieder gehörten dazu“, erklärte zur Ausstellungseröffnung der Berliner Historiker Dr. Hans Coppi im Rathaus-Foyer über diese Ausnahme-Gruppierung.

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Historiker Dr. Hans Coppi, dessen Eltern als Mitglieder der Roten Kapelle in Plötzensee ermordet wurden, erläutert den Besuchern im Rathaus-Foyer die Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Neumünster. „Die Rote Kapelle war ein eher loses Netzwerk verschiedener Widerstandsgruppen unterschiedlicher Herkunft: Arbeiter, Adlige, Sozialisten, sogar NSDAP-Mitglieder gehörten dazu“, erklärte zur Ausstellungseröffnung der Berliner Historiker Dr. Hans Coppi im Rathaus-Foyer über diese Ausnahme-Gruppierung.

 Keinen Geringeren als den Sohn von Hilde und Hans Coppi, die als Mitglieder nach der Aufdeckung der Gruppe verhaftet und in Plötzensee hingerichtet wurden, hatten Christoph und Katja Ostheimer vom Runden Tisch für Toleranz und Demokratie für die Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Tag gewinnen können. „Nachdem wir im vergangenen Jahr die Opfergruppen der Sinti und Roma und der Kriminellen beleuchtet haben, soll das Augenmerk diesmal aktiven Widerständlern gelten“, sagte Ostheimer.

 Der 1916 geborene Arbeitersohn Coppi Senior verließ das Gymnasium, als die ersten Lehrer in SA-Uniform kamen. „Jetzt kann ich dort nichts mehr lernen.“ Er nimmt Kontakt zu Freunden aus dem kommunistischen Jugendverband auf, verteilt aus Protest gegen die Einheitsliste zur Reichstagswahl Klebe- und Flugzettel mit Bibel-Bezug: „Euch zu wählen, ist ein Gräuel.“ Als Dreher einer kleinen Maschinenfabrik stößt er zum Scharfenberger Freundeskreis. „Es waren insgesamt sieben Widerstandskreise, die sich durch einzelne Personen überlappten“, schilderte Coppi Junior. Maßgebliche Personen waren Harro Schulze-Boysen, ein Großneffe von Alfred von Tirpitz, der eigentlich Journalist werden wollte, aber im Reichsluftfahrtministerium landete, und Arvid Harnack (Reichswirtschaftsministerium), der Kontakte zur russischen Botschaft hatte.

 „Stalin nahm die Informationen nicht ernst, glaubte nicht an einen so frühen Kriegsbeginn mit Russland. Den Widerständlern aber war klar, dass die Nazi-Herrschaft ohne die starke russische Armee nicht überwunden werden könnte“, schilderte Coppi. Der erhoffte Funkkontakt nach Moskau sei nicht zustande gekommen. Von den angeblich 500 Sprüchen, die die „Kapelle“ abgesetzt haben soll, sei nur der erste angekommen: „1000 Grüße an die Freunde“.

 Von anderen Widerstandsgruppen hat sich die Rote Kapelle laut Coppi durch ihre „horizontale, heterogene Zusammensetzung“ unterschieden: „Es gab kein Zentrum, das Anordnungen gab. Alles entwickelte sich aus ihnen selber.“ Im September/Oktober 1942 wurden über 120 Frauen und Männer aus dem Umfeld verhaftet. 49 von ihnen wurden zum Tode verurteilt, darunter auch Coppis Eltern.

 Coppi Junior wird am 27. November 42 geboren, der Vater darf ihn noch sehen, bevor er am 22. Dezember hingerichtet wird. Ein Gnadengesuch für Hilde Coppi lehnt Hitler ab. Am 5. August 1943 wird auch sie in Plötzensee ermordet. Der neun Monate alte Hans Junior kommt zu den Großeltern.

 „Die Rote Kapelle war weder ein sowjetisches Spionagenetz, wie später im Westen behauptet, noch eine europaweit agierende Widerstandsgruppe, wie von der SED verherrlicht. Sie war eher ein bunter Haufen, der heute für Zivilcourage steht“, urteilt Coppi. Die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin ist noch bis zum 5. Februar im Rathaus-Foyer zu sehen.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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