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Wie die eigene Ernte zum Saft wird

Apfelfest auf der Obstwiese Wie die eigene Ernte zum Saft wird

Die Apfelpresse zermahlte, presste, filtrierte, was das Zeug hielt. Auf der Alten Obstwiese in Einfeld brachten Gartenbesitzer die heimische Ernte und wollten ihren Apfelsaft mit nach Hause nehmen. Hunderte von Litern flossen durch die Schläuche. Und dazwischen gab es Wissenswertes und Kuchen.

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David Henes hat an der mobilen Saftpresse gut zu tun, die Schlange der Apfel-Anlieferer reißt nicht ab.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Es nieselt. Es ist kalt. Eigentlich ist es typisches Wetter für Couch, Kamin und ein gutes Buch. Doch das sehen eben nicht alle so an diesem Sonntag. Meike Hünker ist mit ihrem Mann Thorben Schmidt und den Töchtern Maja und Freya bereits seit 9 Uhr auf der Obstwiese und sammelt Äpfel ein.

 Karin und Bruno Lüder aus Brunsbüttel haben im Internet gelesen, dass zum Apfelfest eine mobile Saftpresse kommt. Ihre 38 Kilo Boskop liegen im Kofferraum bereit. „Die Resonanz auf das Angebot ist toll“, sagt Heinrich Kautzky, Vorsitzender des Arbeitskreises Alte Obstwiese. Was aber bedeutet, dass die Apfel-Anlieferer etwas warten müssen. Denn Apfelpresse-Besitzer Joachim Henes aus Schleswig arbeitet Korb für Korb ab. Sein Sohn David steht an der Presse, weitere Helfer auf der Ladefläche eines Lkw, wo der Saft erhitzt, pasteurisiert und dann in Fünf-Liter-Tetrapacks abgefüllt wird.

 Holger Schulz beobachtet alles genau, er hat den Inhalt von drei Wäschekörben und zwei Säcken in die Presse geschüttet. Bezahlt wird anschließend bei Hannelore Bork. Sie notiert, wer wie viele Kartons eigenen Apfelsafts abholt. „100 Kilo Äpfel bringen ungefähr 50 Liter Saft“, erklärt sie. Und sie verkauft auch den Saft der Äpfel der Obstwiese.

 Derweil führt Hans-Uve Krause eine Gruppe über die Obstwiese und berichtet über die Historie. Ab 1900 versorgte ein Bauer die Neumünsteraner mit Äpfeln und Gemüse, das er auf dieser Fläche an der Kieler Straße anbaute. 1957 wurde der Betrieb eingestellt. In den 90er-Jahren kaufte die Stadt das Gelände für eine Wohnbebauung. Die Naturschutzbehörde, damals unter Leitung von Heinrich Kautzky, entdeckte das Areal, die verschiedenen Obstsorten und setzte durch, dass es als Biotop erhalten blieb. Der Arbeitskreis kümmert sich ehrenamtlich um die Wiese. 500 Bäume, 70 Apfel- und acht Birnensorten sind inzwischen nachgewiesen.

 Apfelkenner Albert Bork berichtet, dass auf der Wiese auch viel veredelt wird und beschreibt, wie Jahrestriebe herausgeschnitten werden, gekühlt gelagert und später mit einem Gummiband auf der neuen Unterlage fixiert werden. „Das ist an und für sich ganz einfach“, sagt er lächelnd. Und auch auf Maike Efftinges Frage, was für Sorten denn in ihrem Garten wachsen, hat er sofort eine Antwort. „Das ist der Purpurrote Cousinot“, erklärt er. Die Kielerin zieht mit vielen Tetrapacks nach Hause, 120 Kilo hatte sie von ihren Bäumen geerntet. Die Schlange vor der Apfelpresse ist inzwischen nicht kürzer geworden.

 Am kommenden Wochenende ist noch einmal Arbeitseinsatz auf der Alten Obstwiese: Ernte, Pflanzen neuer Bäume und Schnitt von Reisern zur Veredelung.

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