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„Wir frieren nur, wenn nichts los ist“

Eiskalt auf dem Wochenmarkt? „Wir frieren nur, wenn nichts los ist“

Ein einziges Grad Celsius zeigt das Thermometer an diesem Freitagmorgen an. Doch die Wochenmarkt-Beschicker auf dem Großflecken halten durch. „Ich friere nicht“, heißt es bestimmt über die Kartoffeln hinweg. Die richtige Kleidung, heiße Getränke und Heizstrahler lassen sie den Temperaturen trotzen.

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„Warm anziehen und in Bewegung bleiben“, sagt Stefan Remter, dann friert man auch nicht. Allerdings pausiert die Gärtnerei im Dezember und Januar. Denn Frost ist nichts für seine Blumen.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Sonja Schmidt reibt sich die Hände vor einem Heizstrahler. „Nur kurz die Hände aufwärmen“, sagt die Angestellte am Stand von Landwirt Rainer Koopmann. Denn natürlich hat sie Tricks. Unter der offensichtlich einige Nummern zu großen roten Jacke trägt sie gleich mehrere Pullover. Mütze, Schal, Handschuhe – fertig.

Neumünster . Ein einziges Grad Celsius zeigt das Thermometer an diesem Freitagmorgen an. Doch die Wochenmarkt-Beschicker auf dem Großflecken halten durch. „Ich friere nicht“, heißt es bestimmt über die Kartoffeln hinweg. Klaus Wischniewski ist da hartgesotten. Auch Honig-Verkäufer Christoph Antholz hat kein Problem. Christa Boldt trägt nicht einmal einen Schal. Wie machen das die Händler? Die müssen doch Tricks haben!

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 Britta Wischniewski fröstelt etwas, während ihr Mann Klaus der Kälte trotzt. Das kann aber auch an der Müdigkeit liegen. Denn bevor der Gemüsestand auf dem Großflecken aufgebaut wurde, waren sie beim Großmarkt in Hamburg, mussten richtig früh aufstehen. Gegen die Kälte an sich trägt sie dicke Socken in ihren Halbschuhen, einen Schal und eine „Elli“ – eine lange Unterhose. „Wind und Feuchtigkeit sind schlimmer“, sagt sie.

 Juliane Möller vom Hof Berg in Dannau bietet Bio-Käse aus dem Verkaufswagen an. „Ich bewundere manchmal die Gemüsehändler“, gibt sie zu. Sie hat es nämlich wärmer. Auf dem Fußboden steht ein kleiner Heizlüfter. „Das Geheimrezept ist winddichte Kleidung plus Wolle“, sagt sie.

 Völlig im Freien, lediglich mit einem Sonnenschirm über dem Verkaufsstand, steht Christoph Antholz aus Dechow im Mecklenburgischen. Er zuckt mit den Schultern. „Es sind doch über null Grad“, sagt er. Dann friert er nicht in seiner Wolljacke. Außerdem trägt er eine kleine Mütze. „Im Dezember hat der Sturm meinen Schirm und den Tisch umgekippt“, aber aufgeben wegen Kälte? – „Nein!“ Ein Heizstrahler steht auf dem Boden, am Nachbarstand gibt es eine Kaffeemaschine. Und seinem Honig macht die Kälte nichts aus. „Im Sommer würde er leiden, aber dann beschatte ich den Tisch“, erklärt er.

 Noch eine Nummer härter ist Christa Boldt. Scheren und Solinger Stahlwaren hat sie im Angebot. Ein Tisch, ein Schirm und eine besonders gute Kondition. Sport im Fitness-Studio, Sauna, nie geraucht, das ist ihr Rezept. Dazu Himalaya-Stiefel, Schafswolle-Socken und einen Nierenwärmer – aber keinen Schal. Der Rollkragen-Pullover reicht ihr aus. Und heiße Brühe hat sie dabei ...

 Marktmeister Jochen Wenzel erzählt, dass es bei Eiseskälte immer mal Absagen gibt, weil die Ware leiden würde. Doch die meisten Händler ziehen ihre Planen zu und heizen dem Stand ein. Bis auf Stefan Remter. Seine Gärtnerei muss im Dezember und Januar pausieren, dann ist es den Pflanzen eindeutig zu kalt. Doch die knappen Plus-Grade sind okay, Remter ist in Bewegung und läuft von den Primeln zu den Tulpen, von den Hyazinthen zu den Stiefmütterchen. „Frieren tun wir nur, wenn nichts los ist“, sagt er.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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