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Deutlich mehr Übernachtungen

Hilfe für Wohnungslose Deutlich mehr Übernachtungen

8451 Essen sind 2015 in der Gasstraße 12 in Neumünster gekocht worden. Wohnungslose und Menschen in Not finden bei der Diakonie Altholstein Hilfe und eine Mahlzeit. Außerdem haben 196 Personen hier, wo auch die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) ihren Sitz hat, 4668 Mal übernachtet.

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Beratung bei drohendem Verlust der eigenen Wohnung ist das Hauptfeld der ZBS. Melanie Popp, Fachbereichsleitung Wohnungslosenhilfe, setzt vor allem auf Prävention. Hans-Jürgen Bröcker ist Leiter der Übernachtungsstelle und Tagesstätte. 197 wohnungslose Frauen und Männer kamen hier im vergangenen Jahr unter.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Melanie Popp, Fachbereichsleitung Wohnungslosenhilfe, hat jede Menge Zahlen, die ein düsteres Bild zeichnen. In der Beratungsstelle wurde 2015 versucht, 1009 Menschen zu helfen, denen der Verlust der Wohnung drohte. Gründe gibt es dafür viele: Mietrückstände oder Stromschulden, Ärger mit dem Vermieter, unhaltbare Wohnzustände, manchmal aber auch schon fristlose Kündigung oder Räumungsklage.

 „Man hört oft, der Wohnungsmarkt in Neumünster sei entspannt, weil so viele Wohnungen leerstehen. Für unsere Klientel steht der Wohnungsmarkt aber gar nicht zur Verfügung“, sagt Melanie Popp. „Die müssen aber trotzdem versorgt werden.“ Der Markt sei abgegrast. Die ZBS hält Kontakte zu Vermietern: „Wir sind gut vernetzt“, doch es werden weniger. Die Auswahl nimmt ab, weil auch Wohnungsunternehmen fusionieren. Es gibt einfach zu wenig Wohnraum, auch im Hinblick auf die Flüchtlinge.

 Wer seine Wohnung tatsächlich verliert, nicht bei Familie oder Freunden unterkommt, der findet in der Übernachtungsstelle der ZBS Hilfe. Im vergangenen Jahr kamen hier 197 Männer und Frauen unter. Das sind zwar nur drei mehr als im Vorjahr, doch sie blieben 2015 länger. Die Zahl der Übernachtungen stieg auf 4668 Nächte, was ein Plus von 52 Prozent ausmacht. Die Zahl der Obdachlosen, die hier „Platte machen“, sei verschwindend gering, ist sich Melanie Popp sicher. Die Obdachlosenszene lasse sich nicht mit der in Kiel oder Hamburg vergleichen.

 14 Plätze gibt es in der Übernachtungsstelle für Männer, sieben für Frauen – in Mehrbett- und in Einbettzimmern oder in einer Wohnung für vier Frauen. Da es im vergangenen Jahr so voll war, mussten zusätzliche Betten aufgebaut, manchmal sogar Matratzen in den Flur gelegt werden. Dazu kommt ein zweifelhafter Rekord: Die Übernachtungsstelle registrierte 44 Frauen als Gäste, im Vorjahr waren es nur 29. „Wir wissen nicht, warum“, gibt Melanie Popp zu. Häufig sind soziale Netzwerke zusammengebrochen, die Wohnungslosen wissen nicht mehr, wohin sie noch können. Oft erschweren psychische Erkrankungen die Situation. Lediglich die Zahl der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) nimmt kontinuierlich ab. „Die Zahl ist immer noch zu hoch, aber wir nähern uns einem Anteil von 20 Prozent“, so Popp.

 Zuwachs verzeichnet die Tagesstätte, wo es für einen Euro eine warme Mahlzeit gibt. 3783 Neumünsteraner ließen es sich im vergangenen Jahr hier schmecken, 2014 sind es 3692 gewesen. Vor Jahrzehnten kehrte auch Bundeskanzler Helmut Schmidt hier ein, auf dem Weg zum Ferienhaus am Brahmsee – aber da war es noch das Hotel Wappenklause.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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