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Biker steigen aus

Motorradtreffen Eutin Biker steigen aus

Seit acht Jahren ist das Eutiner Motorradtreffen Anfang Oktober ein fester Bestandteil im Veranstaltungsprogramm der ostholsteinischen Kreisstadt. Doch jetzt droht das Aus: Veranstalter und Stadtverwaltung liegen über Kreuz, die Situation ist festgefahren.

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Seit Jahren im Eutiner Veranstaltungskalender verankert: Motorradtreffen im Oktober 2014.

Quelle: Dirk Schneider

Eutin. Initiiert von der Motorrad-Fahrgemeinschaft (MFG) „Die Rödeldöös“ und organisiert vom Eutiner Multi-Veranstalter Helge Nickel (Agentur kreativ+konkret), hat sich das Event zum größten Biker-Treffen in Schleswig-Holstein entwickelt. Die Hintergründe für die Entwicklung seien „höchst unerfreulich“ und „sehr komplex“, erklärte ein sichtlich geknickter Helge Nickel am Mittwoch in einer Pressekonferenz. „Die Rödeldöös“ hätten „kein Interesse mehr“ an der Veranstaltung. Sie begründen ihren Ausstieg mit „der Vorgehensweise der Stadt Eutin“ bei der Vorbereitung.

 Die MFG mit rund 50 Freizeit-Bikern aus Eutin und Umgebung hatte in den vergangenen Jahren stets das „fachkundige Ordnerpersonal“ gestellt. Nickel seinerseits sieht sich nun „außerstande“, den Wegfall des kostenfreien Personals zu kompensieren. „Wenn ich 50 Leute mit Mindestlohn bezahlen muss, rechnet sich das nicht mehr.“ Seine Agentur sehe sich daher „gezwungen, auf eine Weiterführung der Veranstaltung zu verzichten“.

 Bei dem Streit mit der Stadt geht es nach Nickels Darstellung um zweifelhafte Absprachen im Zusammenhang mit Straßensperrungen, um Mängel bei der Kommunikation sowie allzu kurzfristige Genehmigungen. So seien die Anträge für das diesjährige Treffen bereits am 22. Dezember 2015 gestellt worden. Die Genehmigung sei aber erst am 20. September dieses Jahres erteilt worden – „eine katastrophale Verwaltungsleistung“, so Nickel. Zudem seien „völlig unerwartet zwei Straßenzüge als Parkraum für etwa 1000 Besucher entfallen“.

 Besonders verärgert hat Nickel und Vertreter der Fahrgemeinschaft der Verlauf eines Gesprächs mit Bürgermeister Carsten Behnk und weiteren Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Darin habe Behnk von Problemen gesprochen, die Anlieger in der Innenstadt wie das Schloss, das Ostholstein-Museum, die St.-Michaelis-Kirche oder der Edeka-Markt Ley am Berliner Platz angeblich mit dem Biker-Treffen hätten. Die Veranstalter bestreiten das. Die „Beschwerdeführer“, so Nickel, hätten auf ihre Nachfrage „erstaunt“ reagiert, niemand habe gegenüber der Stadt Vorbehalte geäußert.

 Auch die Busbetriebe Rohde hätten laut Nickel „keinerlei Probleme“ gesehen. Vielmehr habe es die Stadt versäumt, das Busunternehmen rechtzeitig über die nachträglich geplante Sperrung der gesamten Lübecker Straße und der Freischützstraße zu informieren. Nicht einmal die Polizei habe vier Tage vor der Veranstaltung etwas von dieser Sperrung gewusst.

 Helge Nickel, dessen Agentur seit Jahren das viel beachtete Blues-Festival und das Eutiner Stadtfest organisiert, spricht von einem „angespannten“ Verhältnis zur Stadt. „Das geht seit Jahren so.“ Die Abläufe beim Motorradtreffen wertet er als „ignorante, schallende Ohrfeige in Richtung des jahrelangen Engagements der Rödeldöös“

 Bürgermeister Behnk bezeichnete den Vorwurf der mangelnden Unterstützung als „mehr als befremdlich“. „Es hat hier im September sogar noch ein kurzfristiges Treffen im Rathaus mit dem Veranstalter gegeben, um etwaige Probleme aus dem Weg zu räumen“, erklärte er. Dabei sei man dem Veranstalter sehr entgegengekommen. Bereits im Januar habe es Absprachen gegeben, offene Punkte wie zum Beispiel bei der Anliegerinformation hätten aufseiten der Veranstalter gelegen, so Behnk. Die Entscheidung der Rödeldöös, keine weitere Veranstaltung zu organisieren, bedauere er sehr. „Ehrenamtliches Engagement verdient hohe Anerkennung.“

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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