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Ein Mekka für Extrem-Mountainbiker

Downhill-Strecke bei Kreuzfeld Ein Mekka für Extrem-Mountainbiker

Sonnabend und Sonntag (20./21. August) stürzen sich ab 17.30 Uhr deutscher Zeit im fernen Rio de Janeiro die Mountainbiker in den Kampf um olympisches Edelmetall. Olympiareife Leistungen zeigen auch die Mitglieder des Geländeradsportvereins North-Short auf ihrer Downhill-Strecke.

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Mit Vollgas über Hindernisse: Hauke Siemers springt sicher über die Holzkonstruktion

Quelle: Dirk Schneider

Malente. Sie bezeichnen ihr Vereinsgelände bei Kreuzfeld (Gemeinde Malente) gerne als „letzte Downhill-Strecke vor der dänischen Grenze“ bezeichnen.

Beim Downhill (= Bergabfahrt) kommt es darauf an, eine bergab führende Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Wer nun glaubt, im hohen Norden wären Bergabfahrten nicht möglich, kennt das schleswig-holsteinische Hügelland nicht wirklich: Die durch die Jungmoränen der Weichseleiszeit geprägte Landschaft hat unweit des Dieksees echtes Downhill-Potenzial, wie beim Besuch auf dem Vereinsgelände deutlich wird. Die mittlerweile 91 Mitglieder des offiziell 2012 gegründeten Vereins haben drei zwischen 400 und 800 Meter lange Rennstrecken in den Wald „gebaut“, eine vierte ist in Vorbereitung und so gut wie fertig. Downhill ist eine Ganzjahressportart: Wer sich auf sein Bike und die Strecke konzentriert, hat nicht gerade viele Blicke für frisches Frühlingsgrün oder farbenfrohes Herbstlaub übrig – es ist ihm aber auch egal, wenn Schnee oder Eis auf der Strecke liegen.

Über Stock und Stein in Ostholstein

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Die Rennstrecken, die sich an diesem Vormittag Christopher Mülbrecht-Mazur, Hauke Siemers und Ingo Willer auf ihren Bikes in halsbrecherischer Manier herabstürzen, haben es in sich: Steile Abschnitte, vom Regen ausgespülte Wege, mit kleinen Findlingen präparierte Passagen sowie Sprungschanzen stellen hohe Anforderungen an die Radsportler. Prallkissen an Bäumen, die den Mountainbiker im Weg stehen könnten, sorgen für ein bisschen Sicherheit. Wer noch mehr auf Nummer Sicher gehen will, umfährt die besonders anspruchsvolle Hindernissen auf den sogenannten „Chickenways“. Aber wer will das schon …

Der Verein ist zwar erst vier Jahre alt, die Strecke wird jedoch schon seit rund 20 Jahren genutzt. Sie wurde von einem in der Nähe wohnenden Mountainbiker angelegt. Nachdem der Streckengründer auf weniger anstrengende Hobbys umgesattelt hatte, gründeten die Mountainbiker einen Verein, um zusätzlich zu ihren eigenen Hindernissen auch etwaige bürokratische Hürden zu überwinden. Förster Peter Hundrieser von der staatlichen Försterei Neudorf-Dodau sieht als „Hausherr“ regelmäßig nach dem Rechten: Sein Hauptaugenmerk richtet er auf die Befahrbarkeit der Wege, um gefällte Bäume problemlos aus dem Wald holen zu können. Daneben achtet er darauf, dass für die in die Downhillstrecke integrierten Sprungschanzen und Brückenkonstruktionen nur unlackiertes Holz verwendet wird. Die Hindernisse sind es auch, die viel Arbeit vor das Vergnügen stellen: 15 bis 20 körperlich fitte Vereinsmitglieder „basteln“ schon mal fünf Wochenenden lang an neuen Sprungkonstruktionen. Dabei bewegen sie kubikmeterweise Erde und raummeterweise Baumstämme, weiß Mülbrecht-Mazur, und die Strapazen beim Bau der Holperstrecke mit vielen kleinen Findlingen sind den Aktiven noch in lebhafter Erinnerung.

Mit der Gründung eines eingetragenen Vereins und der offiziellen Anpachtung der Rennstrecken mit einem Höhenunterschied von teilweise über 50 Metern, waren auch alle versicherungstechnischen Fragen geklärt: Sowohl für Schäden an den Forsteinrichtungen, als auch für Mountainbiker, die sich bei ihrem waghalsig anmutenden Sport möglicherweise verletzen. Das ist gar nicht so selten, wie Mülbrecht-Mazur, der North-Short-Vorsitzende bestätigt: Seine Krankenakte listet neben Handgelenks- und Ellenbogenverletzungen auch einige Knochenbrüche auf, Vereinsmitglied Willer ist nach auskuriertem Armbruch erst vor kurzem wieder aufs Rad gestiegen, und der stellvertretende Vorsitzende Siemers schützt seine Halswirbel nach schlechten Erfahrungen mittlerweile mit einer speziellen Halskrause.

Die drei, die in weniger als einer Minute die Strecke hinunterrasen – um ihre Fahrräder anschließend wieder mühsam hinaufzuschieben – sitzen im Beruf eher am Schreibtisch: Mülbrecht-Mazur aus Kiel ist Marketing-Manager eines Mobilfunkanbieters, Siemers verdient sein Geld als Labortechniker in Lübeck und Willer aus Bosau beschäftigt sich mit der Entwicklung von Software. Für alle drei ist der Nervenkitzel beim Downhill fahren willkommene Abwechslung zum Schreibtischjob. Mülbrecht-Mazur: „Ich liebe die Angst vor und die Erleichterung nach dem Sprung – vor allem bei neuen Hindernissen!“

Ihre Räder sind spezielle Downhill-Mountainbikes, die in Serie hergestellt werden, und die sich durch einen etwas längeren Radstand und eine tiefere Federung auszeichnen. Einstiegspreis: ab 2000 Euro plus die Kosten für Schutzkleidung und -helm. Zu den Anschaffungskosten kommen im Laufe der Zeit Reparaturkosten hinzu: Neben zahllosen Plattfüßen ist das Schaltwerk bei einem Mountainbiker oft das erste „Opfer“ – es reißt bei dem oft unvermeidlichen Kontakt mit Steinen und Sprungschanzen schnell einmal ab.

Unverbindliche Probefahrt möglich

North-Short: Verein für Geländeradsport in Bad-Malente, Jahresbeitrag: 50 Euro für Erwachsene, 10 Euro für Kinder. Das Vereinsgelände liegt mitten im Hochwald zwischen dem Ende des Holmer Wegs in Kreuzfeld (Kiesgrube) und dem Wanderweg am Dieksee, der Niederkleveez und Malente verbindet.

Interessenten für eine unverbindliche Probefahrt sollten sich über die Homepage des Vereins (www.north-short.de) mit dem Vorstand in Verbindung setzen. Sonntag, 21. August, ist Arbeitsdienst auf freiwilliger Basis, und bietet Interessenten die Gelegenheit, sich die Strecke einmal anzuschauen.

 Neben regelmäßigen Trainingsfahrten gehören vereinsinterne Rennen (gegen die Zeit) zum Vereinsleben. 2013 war der Berg am Dieksee darüber hinaus eine Etappe der Downhill-Serie eines Mountainbike-Herstellers, der die Biker in Berlin, Neubrandenburg, Teterow und eben Malente auf die Strecke geschickt hatte. Ein Event, dass sich in Biker-Kreisen schnell herumgesprochen hatte und 100 Aktive nach Malente gelockt hatte. Die Organisatoren lobten die Strecke über den Klee: „In den vergangenen Jahren haben sich die Jungs von North-Short der Strecke angenommen und diese zu einem wirklich schönen, flüssigen Track ausgebaut. Der griffige Dirt und die Sprünge im Wald am Dieksee verleihen dem Tour-Stopp das Prädikat ,Must ride‘“. Wer den Malentern bei ihren akrobatischen Abfahrten einmal zugesehen hat, kann dem nichts hinzufügen.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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