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Französin bekommt keinen Miet-Anhänger

EU-Posse Französin bekommt keinen Miet-Anhänger

Anne Müller-Lochet lebt seit 42 Jahren in Schleswig-Holstein. Dass sie immer noch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, war nie ein Problem. Bis sie einen Anhänger für ihr Auto mieten wollte. Der Vermittler lehnte ab - weil die EU-Bürgerin kein deutsches Identitätsdokument vorlegen konnte.

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Anne Müller-Lochet hat die französische Staatsbürgerschaft - und konnte damit keinen Auto-Anhänger mieten.

Quelle: sp

Malente. Anne Müller-Lochet wollte nach dem Abitur im französischen Rouen eigentlich nur für das Studium nach Deutschland ziehen. Doch sie verliebte sich in Kiel, ließ sich in einem Dorf bei Malente nieder, heiratete, zog neben ihrer Arbeit als Sprachlehrerin vier Kinder groß. Ihre französische Staatsbürgerschaft, so sagt sie, bereitete ihr in allen Jahren nie irgendwelche Schwierigkeiten. "Warum auch? Wir haben ja die EU. Das dachte ich zumindest bis zu jenem Tag."

Als die Französin jetzt aber einen Anhänger für ihr Auto (mit OH-Kennzeichen) mieten wollte und an der Tankstelle ihren französischen Pass vorlegte, hieß es: Einen Anhänger gibt es nur mit einem deutschen Ausweis. Die 62-Jährige sagt: "In anderen EU-Staaten kann ich ohne Probleme ein Auto mieten. Doch hier, wo ich seit Langem lebe, bekomme ich nicht einmal einen Anhänger und werde wie ein Bürger zweiter Klasse behandelt. Das ist doch verrückt."

Im Europäischen Verbraucherschutzzentrum heißt es: "Nach unserer Auffassung greift da die Europäische Dienstleistungsrichtlinie. Danach ist eine Diskriminierung von EU-Bürgern wegen des Wohnortes oder der Staatsangehörigkeit bei Dienstleistungen untersagt." Eine Weigerung sei nur möglich, wenn dafür objektive Gründe angeführt würden. "Doch Gründe wurden nicht genannt", erklärt Müller-Lochet.

Der Präsident der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein, Jürgen Doege, ist skeptischer: "Das EU-Recht ist äußerst kompliziert. Hier müssen die Eigentumsinteressen des Vermieters gegen die Rechte der EU-Verbraucher abgewogen werden. Aus Schikane einen Anhänger zu verweigern, wäre sicher unzulässig. Kann der Vermieter aber nachweisen, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hat, vermag ich nicht voraussagen, wie ein Gericht entscheiden würde."

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