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Blicke, die berühren

Eutiner Kunstaktion Blicke, die berühren

Mit einer spektakulären Aktion will der Eutiner Künstler Jörg Kaminski um Verständnis für Flüchtlinge werben: Auf einen Stadtbus hat er großformatige Porträts von drei jungen Männern kleben lassen. Dazu den Schriftzug MENSCH. Zunächst vier Wochen soll die Kampagne laufen.

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Aktionskünstler Jörg Kaminski (Mitte) mit Modellen Sagria (links) und Abdelwahab.

Quelle: Ralph Böttcher

Eutin. Aufsehen erregte die Präsentation am Donnerstagmittag in der Eutiner Innenstadt in erster Linie wegen der Fotografen und eines Fernsehteams. Mit Kaminski warteten Bürgervorsteher Dieter Holst und Carsten Abendroth, Betriebsleiter der Rohde Verkehrsbetriebe, auf die Protagonisten: Abdelwahab, ein 19-jähriger Eritreer, der im Juni dieses Jahres ohne seine Familie über Italien nach Europa flüchtete und seitdem in Eutin lebt, und Sagria (22) aus Syrien, Anfang des Jahres über die Balkanroute nach Deutschland geflohen und in Malente untergebracht. Der Dritte im Bunde, ein 17-jähriger Eritreer, erschien nicht – er hatte Schulunterricht.

 Die Konterfeis der drei Männer prangen am Heck des Rohde-Busses. Jörg Kaminski hat die Fotos am Computer bearbeitet, er nennt das „digitale Malerei“. Der 63-jährige Kunstlehrer wurde Anfang 2015 durch die persönliche Begegnung mit unbegleiteten Flüchtlingen zu dem Projekt angeregt. Er nennt es „Payback Time!“ Weil es „an der Zeit sei, den Entwicklungsländern etwas zurückzugeben“, wie er sagt.

 Kaminski stellt die Blicke der Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit. „Die Intensität der Gesichter soll den Betrachter nachhaltig berühren.“ Zehn Modelle hatte er sich zunächst dafür gesucht, doch bis auf drei sprangen alle im Laufe der Arbeiten in seinem Atelier in der Eutiner Freischützstraße ab. Sie hätten Bedenken gehabt, sich so weit in die Öffentlichkeit zu wagen, erklärt Kaminski.

 Denn er möchte „Bilder schaffen, an denen man nicht vorbei sehen kann, die lange nachwirken und eine Schnittstelle liefern, die das Verständnis dafür entwickeln hilft“. Und er möchte „Anstöße geben“. Kaminski sprach bei der Präsentation am Donnerstag den aktuellen Fall des syrischen Terrorverdächtigen in Leipzig an: „Wenn wir uns jetzt nicht darum kümmern, kann noch mehr passieren.“

 Die Stadt Eutin fördert das in Schleswig-Holstein einmalige Projekt mit 2000 Euro, wie Bürgervorsteher Holst mitteilte. Die Verkehrsbetriebe Rohde stellen einen Bus kostenlos für die Kampagne zur Verfügung. Möglicherweise werde die Aktion über die vereinbarten vier Wochen hinaus verlängert, meinte Betriebsleiter Abendroth.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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