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Sehnsucht nach Westafrika

Freiwilliges Soziales Jahr Sehnsucht nach Westafrika

Noch wenige Tage, dann fliegt Sarah Zeller wieder nach Balanka in Togo (Westafrika), wo sie bis vergangenen Sommer ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) verbrachte. „Ich habe Sehnsucht nach meiner Gastfamilie und Freunden dort“, sagt die 19-jährige Eutinerin.

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Sarah Zeller möchte daran mitwirken, die Ungleichheit ein bisschen kleiner zu machen.

Quelle: Orly Röhlk

Eutin. Im Dorf Balanka, wo fast alle Bewohner muslimisch sind, arbeitete Sarah im Rahmen des „Weltwärts“-Projekts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einem Bildungs- und Kommunikationszentrum, von ihr kurz Bibliothèque genannt. Amtssprache ist Französisch, das die junge Frau nun perfekt beherrscht. Mit anderen Freiwilligen unterrichtete Sarah Kinder im Lesen, Schreiben und in Mathematik an alten Laptops, die Privatleute gespendet hatten. Eine gemeinnützige Organisation in Deutschland ließ sie mit einem neuen Betriebssystem ausrüsten.

 Bis zu 150 Kinder besuchen in Balanka eine Klasse, der Schulbesuch kostet pro Schüler pro Jahr umgerechnet etwa 10 Euro. Damit werden Lehrer entlohnt, die nicht der Staat bezahlt. Trotz der nach westlichem Standard geringen Summe können sich viele Menschen keinen Schulbesuch ihrer Kinder leisten. Viele gingen zur Schule und machten keinen Abschluss oder erreichten die weiterführende Schule nicht.

 Die Hauptnahrung ist Mais, Wasser wird vom Brunnen geholt. Abgefülltes Wasser kostet Geld, in der Dürrezeit gibt es weniger zu essen. „Ein Euro entspricht 656 Franc, dafür bekommt man drei warme Mahlzeiten“, erklärt Sarah. Auf dem Land seien die Menschen eher arm. „Es gibt keine asphaltierten Straßen, keine Waschmaschinen, keine Post, keinen Bankautomaten, aber seit 2014 gibt es Strom. Daher haben viele jetzt einen Fernseher, und ein Handy hat fast jeder, aber kein Smartphone.“ Das Wort Entwicklungshilfe mag sie nicht und fühlt sich auch nicht als Entwicklungshelferin. Es sei eher ein interkultureller Austausch. „Ich bin diejenige, die am meisten profitiert hat. Dort sein zu dürfen, war sehr bereichernd.“ Sie habeeinen ganz anderen Blick auf die Dinge, zieht die junge Frau Bilanz. „Wir sind so unglaublich privilegiert in Deutschland“, meint sie mit Blick auf fließendes und sauberes Wasser, kostenlose Bildung, Schulpflicht, medizinische Infrastruktur und Mengen an weggeworfenem Essen. All dies sei ihr vor dem Aufenthalt in Afrika nicht bewusst gewesen.

 Sarah studiert in Dresden Internationale Beziehungen und möchte daran mitwirken, die Ungleichheit ein bisschen kleiner zu machen. Sie kauft Fair Trade Produkte, damit die Arbeiter und Bauern auf den Plantagen gerechter bezahlt werden, versucht, keinen Müll zu produzieren und kein Plastik zu kaufen. „Im Vergleich zu Afrikanern bin ich total reich und dankbar für das, was wir hier haben. Womit haben wir diese Privilegien verdient?“

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