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Landeskabinett tagte in Malente

Kreis Ostholstein Landeskabinett tagte in Malente

Denkwürdiger Tag für den Kreis Ostholstein: Im Uwe-Seeler-Fußball-Park begrüßte Landrat Reinhard Sager am Dienstag das Kabinett von Ministerpräsident Torsten Albig zu einer auswärtigen Sitzung. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Situation der Flüchtlinge im Kreisgebiet.

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Landrat Reinhard Sager (links) war Gastgeber der Landesregierung im Uwe-Seeler-Fußball-Park in Malente: Zur Pressekonferenz erschienen Ministerpräsident Torsten Albig, Umweltminister Robert Habeck und Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler, die den erkrankten Innenminister Stefan Studt vertrat.

Quelle: Ralph Böttcher

Malente. So was nennt man wohl ein Heimspiel. Mit Blick auf das Stadion der traditionsreichen Sportschule erinnerte Albig an seine eigene Kindheit. Er sei in Ostholstein aufgewachsen, in Heiligenhafen war 1969 die Einschulung. „Das ist mein Kreis“, sagte der gebürtige Bremer.

 Das Thema Schule sollte noch eine wesentliche Rolle spielen in dem Lamento, das Landrat Sager anstimmte. Er sprach von Klassen mit bis zu 80 Schülern, die derzeit etwa in Eutin Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen möchten. Dringend müssten Lehrerstellen „nachgerüstet“ werden. Albig erklärte dazu, im Haushalt sei „Vorsorge getroffen“, aber angesichts der langwierigen Ausbildung könne es eine Sofortversorgung mit Lehrern nicht geben. „Wir müssen Kompromisse suchen.“

 Ähnlich dringend sei die Situation bei der Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge. Sager schlug vor, nachhaltig und barrierefrei zu bauen, um eine „Nachnutzung durch ältere Menschen“ zu ermöglichen. Alle Planungen im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylbewerbern würden jedoch erschwert durch die Ungewissheit, wie viele denn noch kommen könnten. Gegenwärtig leben im Kreis Ostholstein 2500 bis 3000 – „und die sind versorgt“, so der Landrat. Durch das Asylbewerberleistungsgesetz werde der Haushalt des Kreises in diesem Jahr jedoch um 7,5 Millionen Euro mehr belastet. „Gemeinden und Städten ergeht es ebenso“, sagte er.

 Unter den zahlreichen unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen im Kreis sind nach Sagers Darstellung „auffällig viele Afghanen“. Eine Erklärung dafür habe er nicht. Ebenso wenig könne man heute sagen, wie viele in Deutschland bleiben werden. Gefragt sei jetzt eine „kluge Politik, um die Flüchtlingszahlen zu reduzieren“. Auch müsse die Rückführung in andere Bundesländer forciert werden, sagte Sager, der zurzeit Präsident des deutschen Landkreistages ist.

 Ein anderes Problem sei der demografische Wandel, der sich im Kreis Ostholstein doppelt auswirke, wie Sager betonte: Zum einen werde die einheimische Bevölkerung immer älter, zum anderen würden viele Senioren hier ihren Alterssitz wählen. Das ziehe auch neue Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Pflege nach sich. Die touristische Entwicklung bezeichnete der Landrat als „gut“.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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