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Protest gegen Angelverbot

Schutzzone Fehmarnbelt Protest gegen Angelverbot

Der Streit um ein Angelverbot in sechs geplanten Naturschutzgebieten, drei in der Nordsee und drei in der Ostsee, landet jetzt auf dem Tisch der Kanzlerin. Die beiden großen deutschen Angler- sowie Fischereiverbände  laufen Sturm gegen ein generelles Angelverbot in den besonderen Schutzzonen.

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Schutzzone droht: Müssen Angler am Fehmarnbelt bald ihre Routen einholen?

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Berlin. In einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel wenden sich der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) und der Deutsche Fischerei Verband (DFV) strikt gegen ein pauschales Angelverbot in den so genannten Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH). Für Hobbyangler sollen die Naturschutzgebiete Doggerbank, Borkum Riffgrund und Sylter Außenriff in der Nordsee sowie Fehmarnbelt, Kadettrinne und Pommersche Bucht/Rönnebank in der Ostsee künftig tabu sein, plant Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Ihr Ministerium verweist darauf, dass diese Gebiete zu den nach Europarecht geschützten Natura-2000-Arealen gehören. Der Bund sei „europarechtlich verpflichtet, nationale Schutzgebietsverordnungen mit konkreten Regeln zu erlassen“, erklärte das Umweltministerium in Berlin auf Anfrage.

Angler und Habeck einig in Ablehnung

Das bringt Angler und Fischer jedoch auf die Palme. Auch in Kiel hält man nichts von einem Angel-Totalverbot. Die Präsidentin des Angelfischerverbandes, Christel Happach-Kasan, sagte, ihr Verband sei nicht dagegen, dass bestimmte Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden. „Die Frage ist nur, ob die Schutzziele durch ein generelles Angelverbot erreicht werden. Aber das ist ganz klar nicht der Fall.“ Das Angeln sei die „schonendste Art“ zu fischen. Dabei komme es nicht zu Grundberührungen. Auch die besonders schützenswerten Riffe, sozusagen die Kinderstube vieler Fischarten, würden nicht beschädigt. Zudem gebe es keinen Beifang, erklärte Happach-Kasan. Zwar würden auch Freizeitangler Fische entnehmen, doch was dabei gefangen werde, lande „direkt in der Pfanne“ und werde verzehrt. Zudem zeige etwa die Zunahme der Robbenbestände in Nord- und Ostsee, dass die Fischbestände durch die Freizeitfischer nicht negativ beeinträchtigt würden, sagte Happach-Kasan. Der für Fischerei zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ging ebenfalls auf Distanz zu den Plänen seiner Kabinettskollegin Hendricks. „Ich stehe kritisch zu einem pauschalen Verbot der Freizeitfischerei. Fachlich ist nicht ausreichend begründet, warum Angelfischerei in den Schutzgebieten, die zum Schutz von Sandbänken und Riffen ausgezeichnet sind, zu einer Belastung führen sollten.“ Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne), der Schutzgebiete für Fische, Meeressäuger und Seevögel im Meer grundsätzlich für richtig hält, ist der Ansicht, mit einem Angelverbot schieße der Bund „weit über das Ziel hinaus“.

Blankes Entsetzen hatten die Pläne zuvor bereits bei betroffenen Hochseeangelkutterbetrieben, etwa in Heiligenhafen oder auf Fehmarn, ausgelöst. Der Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe Manfred Wohnrade sagte, allein in Heiligenhafen würden die Hochseeangelkutter jedes Jahr 50000 Gäste in die Region locken und zu einer Wertschöpfung von rund 1,3 Millionen Euro führen, die als Umsätze in der Gastronomie und im Einzelhandel anfielen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens, Mitglied im Tourismusausschuss, kündigte an, das geplante Angelverbot müsse „mit allen Mitteln verhindert“ werden. Gädechens kritisierte, dass das von Berlin „angedachte Verbot der Freizeitfischerei nicht einmal von der EU gefordert“ werde. Die norddeutschen CDU-Bundestagsabgeordneten haben in einem Schreiben an Umweltministerin Hendricks Einspruch gegen die Verbotspläne eingelegt.

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