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Spitzenkoch ist zurück in Schleswig-Holstein

Christian Scharrer Spitzenkoch ist zurück in Schleswig-Holstein

Mit Christian Scharrer ist einer der besten Köche Deutschlands nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Seine erste Karte im „Courtier“ im Weissenhaus Grand Village Resort & Spa erregt bereits Aufsehen.

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Kreativ in der Küche: Schon die erste Karte von Christian Scharrer für das „Courtier“ erregt Aufsehen in Weissenhaus.

Quelle: Oliver Stenzel

Wangels. Es ist erst wenige Jahre her, da schien sich Schleswig-Holstein in ein Paradies für Feinschmecker zu verwandeln. Zusätzlich zu den etablierten Spitzenrestaurants ging auf Sylt ein Michelin-Stern nach dem anderen auf, während in Travemünde mit Kevin Fehling und Christian Scharrer zwei Chefs der nächsten Generation wetteiferten, denen die Fachwelt das Potenzial für höchste Weihen attestierte. Doch kaum hatte Fehling den dritten und Scharrer den zweiten Michelin-Stern erkocht, war der Traum aus.

 Auf einmal wurde überall die Frage diskutiert, wie zeitgemäß Gourmet-Restaurants eigentlich noch seien – und wer die meist unwirtschaftlichen Häuser bezahlen solle. Auf Sylt ging nun ein Stern nach dem anderen unter, Fehling zog nach Hamburg weiter und Scharrer nach Ascona. Im Handumdrehen drohte sich der Norden kulinarisch in ein Hinterland zurückzuverwandeln.

 „Aus meiner Sicht bricht auch immer ein Stück Kultur weg, wenn ein Gourmet-Restaurant schließt“, sagt Christian Scharrer und ergänzt, dass es ihm damals unglaublich schwergefallen sei, sein Travemünder Buddenbrooks zu verlassen. Er sitzt dabei auf der Terrasse des lässigen Strandrestaurants „Bootshaus“ an der Hohwachter Bucht, wo ihn der Service noch nicht sofort erkennt. Das ist auch kein Wunder: Schließlich ist er erst seit Anfang Juni zurück im Land und arbeitet jetzt in Jan Henric Buettners luxuriösem Hoteldorf Weissenhaus Grand Village Resort & Spa.

 Geschäftsführer Frank Nagel hat ihn hierher ins „Courtier“ geholt, zurück an den Herd eines Spitzenrestaurants und damit zurück zu den Sternen. Von denen hatte sich Scharrer im Tessin zwischenzeitlich verabschiedet, kochte im dortigen Hotel Giardino „nur noch“ gehobene Küche mit italienischem Einschlag.

 Bereits Scharrers erste Karte erregt Aufsehen. Gerichte wie „Köpfele vom Milchkalb mit Schildkrötenkräutern“ oder „Gänseleber mit Korbblütler im Topinambur-Fond“ wird man in der Republik kein zweites Mal serviert bekommen. „Ich finde es schön, dass man heute wieder stärker sehen kann, wer welchen Teller gemacht hat“, sagt der 46-Jährige, der sich seinen Namen durch eine außergewöhnliche Verbindung französischer Klassik und moderner Akzente machte. „Hier lebt Individualität und damit auch wieder mehr von dem kaum Erklärlichen, das große Kochkunst immer bereichert hat”, urteilte Deutschlands wichtigster Restaurantkritiker Jürgen Dollase vor Jahren nach einem Besuch des Buddenbrooks in der FAZ. Ob Scharrer in Weissenhaus an dieses Niveau anknüpfen wird? Er lächelt bescheiden: „Das müssen andere beurteilen. Aber ich streng mich an. An mir soll es nicht liegen.“

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