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Am Geist von Malente scheiden sich die Geister

TV-Sportschule Am Geist von Malente scheiden sich die Geister

Selten wurde eine Fußball-TV-Show so kontrovers diskutiert: Gute Werbung oder Zumutung? Viele Ostholsteiner waren nicht immer zufrieden mit dem Bild, das „Beckmanns Sportschule“ von ihrem Ort vermittelte.

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Hans-Heinrich Petersen und sein Sohn Stefan Petersen begrüßen regelmäßig Tim Wiese bei sich im Laden.

Quelle: Hamid Saeidi

Malente. Freitagnachmittag und der Geist von Malente weint. Dicke Regentropfen prasseln auf den Uwe-Seeler- Fußball-Park. Hier weht kein Duft von Fernsehwelt über den Rasen, aber eine leere Plastiktüte. In Richtung Sportler-Herberge, in der Beckmanns Sportschule während der Fußball-Europameisterschaft ihre Zelte aufgeschlagen hat. Früher drehten an gleicher Stelle die Spieler der Nationalmannschaft ihre Runden. Jetzt schnattert sich Moderator Reinhold Beckmann regelmäßig für das Erste mit mehr oder weniger illustren Gästen durch den Fußballabend, unterbrochen von Ex-Fußballprofi Tim Wiese, der mit dem „Bestatter“ durch Ostholstein zieht. Landesvater Torsten Albig adelte die Sendung, indem er von großzügiger, kostenloser Werbung sprach.

Ein Aspekt, der im Tourismuszentrum Malente bereits messbar ist: Im Schaufenster winkt der Geist von Malente den Besuchern zu. „Täglich kommen schon zwei bis drei Leute mehr und lassen sich den Weg zur Sportschule erklären. Neulich kam sogar extra ein Tourist von der Ostsee her“, sagt Anna-Katharina Scheef. Sie war auch schon in der Sendung dabei. „Ich hätte schon gehofft, dass Malente etwas besser präsentiert würde“, so die 26-Jährige.

Von seiner besten Seite zeigt sich Schlachter Petersen. Seit über 100 Jahren sitzt das Familienunternehmen in der Bahnhofstraße. Stefan Petersen (53) und Vater Hans Heinrich (77) stehen hier täglich hinterm Tresen. Sie haben während der Dreharbeiten extra viel zu tun: Bald-Wrestler Tim Wiese fährt mit seinem Lamborghini regelmäßig vor. „Ich dachte erst, dass sei so ein Rambo, aber er ist ein ganz netter Typ. Und ein absoluter Fleischesser“, berichtet Petersen Senior. „Der kann allerdings in seinen Kofferraum nicht so viel einladen, da muss er mitunter zweimal fahren“, sagt Petersen Junior. Die Sendung habe sich entwickelt, und ein eingeblendeter Malente-Banner bei den Länderspielen sei als Werbung kaum zu toppen, meinen die Petersens. „Aber Malente ist eh positiv besetzt. Wir haben die beste Luft in ganz Deutschland. Und hier findet man noch Ruhe und Geborgenheit“, sagt der 53-Jährige.

Mit der Ruhe ist es bei Gemeindemitarbeiter Andreas Smaluhn vorbei, wenn es um Beckmann geht. Zum Klönschnack wird sich jeden Freitag beim Bäcker getroffen. Da bleibt das Thema nicht aus. „Die ziehen Malente durch den Dreck. Zweimal habe ich mir das angetan, und ich empfinde das als bodenlose Frechheit. Als wären wir letzte Provinz“, sagt der 56-Jährige. „Das wird Malente nicht gerecht“, findet Marianne Kudrna. Auch er habe die Sendung am Anfang kritisch gesehen, erzählt Bankkaufmann Florian Reck. „Wenn man sich sagt, dass das Satire ist, dann geht’s. Und ganz Deutschland kennt jetzt Malente. Das ist doch was“, sagt er. Eine Tatsache, die auch Schlachter Petersen glücklich macht: „Alle lieben Malente. Und wollen hier gar nicht mehr weg.“

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Ein Artikel von
Imke Schröder
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