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Tierquälerei im Kreis Ostholstein?

TV-Bericht Tierquälerei im Kreis Ostholstein?

Vegetieren in einem Schuppen in Timmendorfer Strand zahlreiche Tiere elend vor sich hin oder nicht? Für große Unruhe sorgt derzeit ein angeblicher Fall von „Animal Hoarding“, dem krankhaften Sammeln von Tieren.

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In einem Beitrag des TV-Senders Vox in der Reihe „hundkatzemaus“ wurden die Zustände in den Schuppen so dokumentiert.

Quelle: Screenshot: Vox/HundKatzeMaus

Timmendorfer Strand. Tierschützer kündigen Strafanzeigen sowohl gegen eine Timmendorfer Halterin von Ziegen, Enten und Kaninchen als auch gegen einen Amtsveterinär des Kreises Ostholstein an. Der Kreis weist die Vorwürfe ausdrücklich zurück.

Auslöser der Aufregung ist ein Beitrag des TV-Senders Vox in der Reihe „hundkatzemaus“, der vor einigen Tagen gezeigt wurde. Darin besucht „Tierdetektivin“ Judith Pein die Koppel in Timmendorfer Strand, auf der auch ein heruntergekommener Schuppen steht. Pein filmt verdreckte Ställe sowie Tiere, die in nassem Stroh und Kot hocken, außerdem Kaninchen mit viel zu langen Krallen und offenen Wunden an den Läufen und eine Ziege mit einem verletzten Bein.

Die beschuldigte Timmendorfer Tierhalterin ist vor einem halben Jahr schon einmal in das Visier von Tierschützern geraten. Vertreter der Organisation „Vier Hufe“ hatten im November 2015 Anzeige erstattet, weil ein Pony, das der Frau gehörte, schwer krank gewesen sein soll. Die Stute erleide schlimme Schmerzen, hieß es, weil ihre Hufe kurz vor dem Durchbruch stünden. Das Pony ist offenbar mittlerweile eingeschläfert worden.

In dem Vox-Beitrag vom 2. April setzt sich das TV-Team auch mit der Halterin, die in dem Beitrag anonymisiert wird, persönlich auseinander und wirft ihr „Animal Hoarding“ vor – eine psychische Störung, bei der die Betroffenen zahlreiche Tiere halten, ohne sie angemessen versorgen zu können. Ein weiterer Vorwurf richtet sich gegen den Amtstierarzt: Dieser habe von den katastrophalen Bedingungen gewusst, sei aber untätig geblieben.

Kreis weist Vorwürfe zurück

Die Tierschutzorganisation Peta erklärt, sie wolle Strafanzeige gegen die Tierhalterin und gegen den Veterinär bei der Staatsanwaltschaft Lübeck stellen – wegen Verstoßes gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes. „Das Veterinäramt des Kreises Ostholstein hätte schon vor Jahren eingreifen und die Tiere beschlagnahmen müssen“, heißt es in einer Mitteilung von Peta. „Es kann nicht sein, dass Tiere leiden und die Behörden untätig dabei zuschauen.“

Dieses weist der Kreis scharf zurück. Die gezeigten Aufnahmen seien bereits im Dezember 2015 gemacht worden, betont die Kreisverwaltung in einer Mitteilung. Sie entsprächen „in keiner Weise den aktuellen örtlichen Gegebenheiten“. Vielmehr „wurden die in dem Fernsehbeitrag geschilderten Beeinträchtigungen und Erkrankungen auch durch die hiesigen Amtstierärzte bereits im November und Dezember 2015 festgestellt, dokumentiert und die Abstellung der jeweiligen Mängel veranlasst“. Außerdem sei die „Tierhaltung“ im Anschluss mehrfach kontrolliert worden, zuletzt am 24. März dieses Jahres, „ohne dass tierschutzrelevante Mängel festgestellt wurden“.

Ähnliches steht in der Stellungnahme der Gemeinde Timmendorfer Strand. Demnach würden „auch zukünftig regelmäßige Kontrollen durchgeführt“. Die Halterin der Tiere sei laut Gemeinde während der „Abstellung der jeweiligen Mängel“ kooperativ gewesen „und hat den Behörden jederzeit kurzfristigen Zugang gewährt“.

Das sehen die Tierschützer anders. Zwar stammten die Aufnahmen tatsächlich vom Dezember 2015, räumt „Tierdetektivin“ Judith Pein ein. „Aber wir haben Informanten vor Ort, die uns auf dem Laufenden halten. Nach deren Angaben ist es dort immer noch so schlimm, wie wir es gezeigt haben.“ Sie hat deshalb vor drei Tagen eine Petition im Internet – „Tierleid in Timmendorfer Strand jetzt beenden“ ( www.change.org) – gestartet. Diese hatte gestern knapp 4800 Unterstützer gefunden und soll an Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck übergeben werden.

Von Sabine Latzel

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