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Gaffer klauten der Feuerwehr Brötchen

Timmendorfer Strand Gaffer klauten der Feuerwehr Brötchen

Wie dreist ist das denn? Der Freiwilligen Feuerwehr wurden bei den Löscharbeiten der Diskothek "Nautic Club" in Timmendorfer Strand die belegten Brötchen geklaut. Nun klagt ein Feuerwehrmann die Gaffer bei Facebook an.

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Rückwärts in die Schaufensterscheibe gefahren

Der "Nautic Club" in Timmendorfer Strand stand am Mittwoch in Flammen. Bei den Löscharbeiten wurden die Feuerwehrleute von Schaulustigen behindert.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Timmendorfer Strand.  Der Alarm erreichte um 4.52 Uhr die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Timmendorfer Strand: Im Zentrum des Ostseebades hat am Mittwochmorgen das Dach einer Ladenpassage Feuer gefangen, in der auch die frühere Edel-Disco "Nautic Club" untergebracht war. Rund 150 Feuerwehrleute kämpften bis zum Mittag gegen die Flammen an. Noch am Nachmittag mussten Glutnester unter dem Dach aufgespürt und gelöscht werden.

Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig. Denn das verschachtelte Gebäude aus den 1970er Jahren wurde mehrfach umgebaut beziehungsweise weitere Bauten angebaut, sagte Hartmut Junge, Sprecher des Feuerwehrkreisverbandes Ostholstein. Eine Feuerwehrfrau war bei den Löscharbeiten leicht verletzt worden.

Gaffer klauten Brötchen

Zu kämpfen hatten die Einsatzkräfte aber auch mit Schaulustigen. Diese hatten sich an den belegten Brötchen bedient, die eine Bäckerei den ehrenamtlichen Helfern zur Verfügung stellte. Der Aufforderung, die Brötchen für die Feuerwehrleute stehen zu lassen, kamen die vier bis fünf jungen Männer nicht nach. Sie griffen weiter beherzt zu und fragten auch noch nach Tee.

Andere Feuerwehrleute beklagten sich über uneinsichtige Autofahrer. Sie wollten über den Timmendorfer Platz und durch die Poststraße fahren, die wegen des Einsatzes stundenlang gesperrt waren. Einem Feuerwehrmann soll ein Autofahrer sogar über den Fuß gefahren sein.

Feuerwehrmann klagt Gaffer an

Jan Rühmling, der über zehn Stunden am Einsatz beteiligt war, machte seinem Ärger am Abend Luft. Der Feuerwehrmann postete eine ironisch gemeinte Entschuldigung auf seiner Facebookseite. Diese wurde in weniger als 24 Stunden von 1.800 Menschen kommentiert. Über 15.000 teilen den Beitrag und verbreiten ihn so weiter.

Weil einige User seine Worte falsch verstanden hatten, schrieb er seinen Post noch einmal um, erklärte ihn. "Ich habe diesen Post nicht geschrieben, weil ich wütend oder böse bin, nein, das bin ich nicht und war es auch zu keiner Zeit. Ich bin einfach nur enttäuscht über die Vorfälle die ich gestern erleben durfte und musste meiner Enttäuschung Luft machen.“

Brandursache unklar

Wieso das Feuer in der Diskothek "Nautic Club" ausgebrochen ist, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei seien in vollem Gang, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die Beamten befragten Anwohner und Feuerwehrleute, außerdem werteten sie Fotos aus der Brandnacht aus. Die Brandruine konnten sie jedoch noch nicht betreten. Zunächst müsse mit Hilfe von Experten überprüft werden, ob das Gebäude gefahrlos betreten werden könne, sagte der Sprecher.

Bei dem Feuer war nicht nur die Nobeldisko in der Einkaufspassage völlig zerstört worden. Auch angrenzende Geschäfte wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Sie sollen bis auf weiteres geschlossen blieben. Derzeit wird das Löschwasser in den umliegenden Geschäften von Spezialmaschinen abgepumpt.

Kreis erteilte keine Baugenehmigung

Die genaue Schadenshöhe steht noch nicht fest. Sie dürfte aber im zweistelligen Millionenbereich liegen, wie Heinz Meyer, der Vorsitzende der "Aktivgruppe für Handel und Gewerbe Timmendorfer Strand" bereis am Mittwoch geschätzt hatte. 

Die in den 1970er Jahren gegründete Edel-Diskothek war wegen Renovierungsarbeiten seit längerer Zeit geschlossen. Die Kreisverwaltung hatte den Umbauarbeiten noch keine Genehmigung erteilt: "Ein Bauantrag, bei dem es um Brandschutz-Auflagen für die Diskothek geht, liegt vor, aber der Antrag ist noch nicht genehmigt", sagte Fachdienstleiter Nils Hollerbach vom Kreis Ostholstein. Im Obergeschoss des Gebäudes war jedoch die Lounge "Nautic Garden" in Betrieb.

Gaffer-Gesetz

Geplantes Gaffer-Gesetz sieht Handyentzug und Haft vor

Seit Smartphones weit verbreitet sind, kommt es bei Unfällen häufiger vor, dass Schaulustige Fotos und Videos machen und dabei Rettungskräfte behindern. Bisher ist das Gaffen an sich nicht strafbar, das soll sich nach einem Gesetzesentwurf künftig ändern.

BISHER: Wer im Weg steht und die Rettungskräfte behindert, begeht womöglich eine Ordnungswidrigkeit. Die Polizei kann auch einen Platzverweis erteilen. Wer im Vorbeifahren mit dem Handy Aufnahmen von einem Unfall macht, kann wegen eines Verstoßes gegen das Handyverbot verfolgt werden. Gaffern, die Verletzte fotografieren, drohen bis zu zwei Jahren Haft oder eine Geldstrafe. Doch dazu muss es eine Anzeige des Unfallopfers oder seiner Angehörigen geben.

KÜNFTIG: Neu ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden soll: «Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes behindert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.» Dabei soll «behindern» alles umfassen, was Einsätze zumindest erschwert - also auch ein bloßes Sitzen- oder Stehenbleiben, das Retter an ihrer Arbeit hindert. Auch die dauerhafte Beschlagnahme des Handys - selbst beim Versuch, Aufnahmen zu machen - soll erleichtert werden. Bis zu zwei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe angedroht bekommen soll, wer von einer toten Person eine Bildaufnahme macht und verbreitet, «die diese zur Schau stellt»

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Timmendorfer Strand
Foto: Der Brand beschädigte nicht nur die Diskothek, sondern auch umliegende Gebäude.

Brandermittler der Polizei haben am Dienstag damit begonnen, die ausgebrannte Diskothek „Nautic Club“ in Timmendorfer Strand zu untersuchen. Sie suchen nach Hinweisen zur Ursache des Feuers, das vor knapp einer Woche die in einer Einkaufspassage liegende Diskothek zerstört hatte.

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