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Zwei Jahre Haft für Brandstifter

Scharbeutz Zwei Jahre Haft für Brandstifter

Ein Mann zündelt im Ostseebad Scharbeutz. Sechs unbewohnte Gebäude mit Reetdächern gehen in Flammen auf. Ein Schöffengericht verurteilt den Brandstifter zu zwei Jahren Haft. Eine Bewährungsstrafe ist nicht möglich, es fehlt die günstige Sozialprognose, sagt der Richter.

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Der Feuerteufel von Scharbeutz stand in Lübeck vor Gericht.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Lübeck. Er galt als „Feuerteufel von Scharbeutz“. Sechs reetgedeckte Gebäude in Scharbeutz im Kreis Ostholstein gingen zwischen April und Juni 2015 in Flammen auf. Im Juni vorigen Jahres wurde der Brandstifter schließlich gefasst: ein gehörloser Mann ohne festen Wohnsitz, der unter einem Holzsteg am Strand campierte. Am Donnerstag verurteilte ein Schöffengericht in Lübeck den Mann wegen Brandstiftung in sechs Fällen zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung.

Vor Gericht hatte der heute 38 Jahre alte Mann geschwiegen. Bei der Polizei hatte er jedoch zugegeben, die Brände gelegt zu haben. „Als Motiv hatte er damals Frust, Wut über seine Lebenssituation und Unzufriedenheit mit seinen familiären Verhältnissen genannt“, hatte die Kriminalbeamtin als Zeugin ausgesagt, die die Vernehmung geführt hatte.

Der Angeklagte nahm das Urteil äußerlich gefasst auf. Als der Richter jedoch erläuterte, dass die Strafe wegen der fehlenden günstigen Sozialprognose nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne, schlug er entsetzt die Hände vors Gesicht. Der aus Polen stammende Mann, der seinen Lebensunterhalt bis zu seiner Festnahme mit dem Verkauf kleiner Bilder und Figuren bestritt, hatte erklärt, er wolle zu seiner Familie nach Polen zurück. Allerdings hatte er im Prozess auch gesagt, er habe keinen Kontakt mehr zu seinen Brüdern und wisse nicht, wo sie jetzt lebten. „Wenn Sie jetzt in Freiheit kämen, wären Sie wieder obdachlos und über kurz oder lang in der gleichen Situation, wie zur Tatzeit“, sagte Amtsrichter Jobst-Rüdiger Puchert.

Die Brandserie in dem Ostseebad hatte am 17. April vergangenen Jahres begonnen. In den folgenden Wochen brannten die Reetdächer von Toilettenhäuschen, Strandkorbvermietungen und einer DLRG-Wache. In zwei Fällen fand die Polizei mit Papier umwickelte Strohbündel, die wie Lunten im Reet steckten. Bei den Bränden wurde niemand verletzt. Es entstand Sachschaden von rund 200 000 Euro.

Nach dem letzten Feuer am 7. Juni 2015 suchten Polizei und Feuerwehr den Strand ab, weil ein Zeuge einen Mann von der Brandstelle hatte wegrennen sehen. Unter dem Steg entdeckten sie den Angeklagten, der sich dort eine Art Höhle gebaut hatte.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zweieinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte um eine Bewährungsstrafe gebeten, jedoch keinen konkreten Antrag gestellt.

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