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Hilfe für psychisch Kranke

15 Jahre Brücke SH in Plön Hilfe für psychisch Kranke

15 Jahre gemeindepsychiatrisches Zentrum Alte Meierei der Brücke SH in Plön: Das war ein Grund zum Feiern. Doch es gab auch kritische Anmerkungen von Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer der Brücke SH, und der stellvertretenden Kreispräsidentin Helga Hohnheit.

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Ließen sich das Jubiläumsfest nicht entgehen (von links): Die Mitarbeiter Mario Rohde, Christoph Graap, Helga Stratmann, Roland Mothes, die stellvertretende Kreispräsidentin Helga Hohnheit, Ruth Becker-Theurich, Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer der Brücke SH, Gudrun Gosch, Eva Heins, Hans-Egbert Minning, Axel Simon (Einrichtungsleitung) und Marie-Luise Kind.

Quelle: Orly Röhlk

Plön. In einer Talk-Runde mit Roland Mothes vom Nutzerbeirat, Mitarbeiterin Marie-Luise Kind (Wohngruppen) und Moderator Axel Simon (Einrichtungsleitung) wurden das Bundesteilhabegesetz, die Inklusion und die gesellschaftliche Veränderung mit der Entwicklung weg von der Institutionalisierung hin zur personenzentrierten sozialpsychiatrischen Arbeit sowie Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung Betroffener thematisiert.

Die Stigmatisierung sei teilweise noch vorhanden, doch gebe es viele Angebote für Betroffene, selbständig ein soziales Umfeld aufzubauen, sagte Mothes. „Mit Menschen an meiner Seite kann ich Vertrauen entwickeln und Sachen auch allein machen, das nimmt Ängste.“

Hohnheit verwies auf die positive Zusammenarbeit aller Träger im Kreis Plön. Es sei wegen der unterschiedlichen Finanzierung noch nicht ganz gelungen, eine engere Vernetzung hinzubekommen, räumte sie ein. Noch viel mehr könnte präventiv in einigen Bereichen getan werden, auch angesichts der hohen Zahl der depressiv und demenziell Erkrankten, damit es nicht erst so weit komme. „Das steht ganz oben auf der Agenda“, so Hohnheit. Auch Fördermittel für Nutzerwohnungen seien ein Rad, an dem man drehen könnte. Hohnheit verhehlte nicht ihre Wut auf den Gesetzgeber. Die Mittel seien nicht vorhanden. „Wir müssen mit Bordmitteln agieren, das kann einen wütend machen.“

„Psychische Erkrankungen machen nach wie vor Angst, die gesellschaftliche Akzeptanz ist schwierig“, stellte Kind fest. Der Kreis Plön sei bei psychotherapeutischen Angeboten „deutlich unterbesetzt“: „Wir brauchen mehr finanzielle und organisatorische Hilfe.“ Es gebe Lücken im Kreis beim Übergang von der Betreuung zur Pflege. Viele müssten deshalb „auswandern“.

Er lehne das Bundesteilhabegesetz ab, betonte Faulbaum-Decke. Es sei nicht geeignet, personen- und sozialraumzentriert mit Menschen mit Hilfebedarf zu arbeiten. Eine Verschiebung hin zur Pflege dürfe es nicht geben. „Inklusion ist nicht für lau zu haben, sie kostet Geld“, verwahrte er sich gegen Vorwürfe, dass in diesem Bereich betrogen werde. Es gebe in Schleswig-Holstein keine psychotherapeutische Krankenpflege und keine Soziotherapie, monierte Faulbaum-Decke, der zugleich Vorsitzender des Dachverbands Gemeindepsychiatrie ist.

Die Alte Meierei, vor 15 Jahren restauriert, ist laut Simon gelebte und gestaltete Sozialpsychiatrie und offen für alle Bürger als Möglichkeit der Begegnung und Teil des Gemeinwesens. Das Haus bietet eine Tagesstätte, eine öffentliche Cafeteria mit Mittagstisch, ambulante Betreuung und offene Beratung zu sozialpsychiatrischen Hilfen.

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