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188 Eber produzieren Sperma für Betriebe

Eingefärbt und in Tuben abgefüllt 188 Eber produzieren Sperma für Betriebe

Viele Schnitzel, die auf den Tellern nicht nur in Mittelholstein landen, haben ihren Ursprung in Schönbek. Dort wird nahe der A7 seit 2013 in einer hochmodernen Anlage Eber-Sperma produziert – rund 350000 Portionen der verschiedensten Rassen kommen pro Jahr zusammen.

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188 Eber leben in der Anlage: Ein Stallmitarbeiter kümmert sich mit einem Kollegen um sie.

Quelle: Frank Scheer

Schönbek. Das in Tuben abgefüllte und eingefärbte Sperma liefert die Firma NOS-Schweinebesamung an rund 150 Betriebe in Schleswig-Holstein, unter anderem Edeka, und in ostdeutschen Bundesländern.

 Um auf das Gelände am Spitzbubenredder zu gelangen, muss man an der geschlossenen Tür im Zaun, der das Gelände umschließt, klingeln. Es liegt kein Schweinegeruch in der Luft, kein Quieken ist zu hören. Die Tür zum Betrieb öffnet Geschäftsführerin Dr. Lisa Kruse, nach zehn Metern hindert eine Bank am Weitergehen: Straßenschuhe müssen gegen Latschen aus Gummi getauscht werden. Zusätzlich muss jeder Gast in einer Liste bestätigen, dass er in den 24 Stunden zuvor keinen Kontakt zu Schweinen hatte. „Das sind Hygienevorschriften: Seuchen könnten eingeschleppt werden“, erklärt sie.

 Zu den sieben Festangestellten kommen viele Auslieferungsfahrer und Aushilfen. 188 der 240 Boxen sind im Moment mit Ebern besetzt. Jedes Tier, überwiegend Landrassen wie Piétrain, Yorkshire oder Duroc (alle bieten mageres Fleisch), lebt in einer 6,25 Quadratmeter großen Bucht auf einer 30 Zentimeter dicken Einstreu aus Hobelspänen. Hinein geht’s in die Ställe nur geduscht und in Stallbekleidung. Die Zuluft wird in der modernen Anlage mit UV-Licht bestrahlt, um Keime abzutöten.

 Zwei Mitarbeiter kümmern sich in den beiden Eber-Trakten um das Wohl der Tiere, die acht Monate bis sechs Jahre alt sind. „Bei der Fütterung wird es mal laut, ansonsten geht es eher ruhig zu“, so Kruse. Einmal pro Woche muss jeder Eber ran: Dazu wird er zu einem der vier Phantome (Nachbildungen von Sauen) geführt, mit denen das Ejakulat gewonnen wird. Es kommt selten vor und dann eher bei jungen Ebern, dass sie keine Lust haben. Bis zu zehn Minuten braucht das Tier. „Aus hygienischen Gründen werden in der Fleischproduktion die Sauen heute überwiegend nur noch künstlich befruchtet“, erklärt die Geschäftsführerin.

 Das in einem Behälter aufgefangene Sperma bekommt einen Barcode und wird durch eine Schleuse ans Labor übergeben – dorthin kommt man übrigens auch nur nach einem Schuhtausch und in einem extra Kittel. Carolin Doehring zieht eine Probe aus dem gerade angekommenen Becher, die mikroskopisch und von einem Computerprogramm analysiert wird. „Auf dem Bildschirm kann man sehen, wie aktiv die Samenfäden sind“, erklärt die Laborantin. Zudem wird die Anzahl bestimmt. Anschließend verarbeitet sie das Sperma weiter. Aus einem Becher können etwa 50 bis 60 Portionen abgemischt werden. Zum Abschluss wird das Ganze mit Lebensmittelfarbe eingefärbt, um Verwechslungen der Rasse auszuschließen. Haltbar ist das Produkt je nach Verdünnung drei oder sechs Tage.

 Durchschnittlich kommt ein Eber – Moritz, Charles, Wayne oder Orpheus, wie die Tiere, die eigentlich nur eine Nummer im Ohr haben, von den Mitarbeitern genannt werden – auf 2000 bis 2500 Portionen jährlich. Und daraus wird dann irgendwann auch mal ein Schnitzel.

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Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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