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Gemeinsam gegen die Sucht

ATS-Beratungsstelle Kreis Plön Gemeinsam gegen die Sucht

Im Kampf gegen Alkoholsucht und illegale Drogen setzt die ATS-Suchtberatung (ambulante und teilstationäre Suchthilfe) in Preetz verstärkt auf Prävention: Aber auch Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Baustein, erläuterte Judith Schaum, die vor eineinhalb Jahren die Leitung übernommen hat.

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Volker Bumann (von links), Gerd Albrecht, Imke Wussow und Judith Schaum bieten Hilfe und Beratung bei Alkohol- und anderen Suchtproblemen an.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Die für den Kreis Plön zuständige Beratungsstelle bietet bei Problemen mit Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen, Medien und Glücksspiel sowie bei Essstörungen eine vertrauliche und kostenlose Hilfe für Betroffene, aber auch für Angehörige. „Das sind oft die Ersten, die um Hilfe rufen“, hat Judith Schaum festgestellt. Und man müsse sie stützen, weil sie das Leid oft lange mittragen. Für die Behandlung sei es wichtig, die Familie mit ins Boot zu holen. Oft gehe es um die Frage: Wie kann man einen Betroffenen so ansprechen, dass er sich traut mitzukommen? Und oft müsse man auch deren Widerstand lösen, wenn sie sagen: „Ich bin doch nicht abhängig.“

 Hauptsächlich gehe es um Alkohol und illegale Drogen. „Die Ratsuchenden werden immer jünger“, bedauert die Diplom-Sozialpädagogin. Bei unter 18-Jährigen sei bei den Drogen – vorwiegend Cannabis und Crystal Meth – eine Zunahme um 50 Prozent zu verzeichnen. Trotzdem sei in dieser Altersgruppe immer noch der Alkohol das größte Problem. Deshalb biete man vermehrt Prävention in Schulen an. „Jugendliche sollten den Mut haben, Nein zu sagen, und lernen, dass man auch ohne Bier Spaß haben kann“, so Judith Schaum. In den Suchthilfeverbänden werde auch überlegt, ob man das Mindestalter für Alkoholkonsum heraufsetzen sollte.

Verharmlosung problematisch

 Die Legalisierungsdebatte zu Cannabis verunsichere Eltern und Lehrer, hat ihre Kollegin Imke Wussow festgestellt. „Ich finde es problematisch, wenn eine Verharmlosung reinkommt“, sagt Judith Schaum. Dabei seien gerade die Auswirkungen bei Jugendlichen größer als allgemein angenommen. So zeigten sich Entwicklungsdefizite. „Um es ganz hart auszudrücken: Die rauchen sich blöd.“ Auch psychotische Störungen könnten auftreten.

 Bei vielen Suchtkranken sei es sinnvoll, eine langfristige Behandlung anzugehen. „Wir bieten ambulante oder teilstationäre Behandlung in der Klinik an“, so Schaum. Die Rückfallquote liege unbehandelt bei 80 Prozent und mit professioneller Unterstützung bei 50 bis 70 Prozent. Die ATS-Suchtberatungsstelle arbeitet dabei mit verschiedenen Selbsthilfegruppen zusammen und stellt sie auch in einer Informations- und Motivationsgruppe vor, in der sich Interessierte und Betroffene zum Thema Suchtgefahren informieren und austauschen können. „Die Wahrscheinlichkeit, abstinent zu leben, steigt durch eine Selbsthilfegruppe“, so Schaum. Denn die Ansprechpartner wüssten genau, wovon man rede, wenn man Suchtdruck verspüre.

 In Preetz gibt es auch eine Selbsthilfegruppe zur MPU-Vorbereitung nach dem Verlust des Führerscheins. Für die medizinisch-psychologische Untersuchung müsse man ein Jahr Abstinenz nachweisen, erläutern die Ansprechpartner Volker Bumann und Gerd Albrecht. „Einige arbeiten voll mit, andere lassen sich nur berieseln – aber das rächt sich später“, so Bumann. „Die Teilnehmer müssen wirklich die Bereitschaft haben, sich mit der Krankheit auseinander zu setzen“, fügt Albrecht hinzu. Wenn jemand mit 1,6 Promille am Steuer erwischt werde, dann konsumiere er schon über längere Zeit Alkohol, sonst könnte er gar nicht mehr fahren.

Lebenslange Abstinenz

„Abhängigkeit heißt lebenslange Abstinenz“, erklärt Judith Schaum. Die Betroffenen müssten neue Strategien lernen, um ohne Alkohol zufrieden zu sein. Die Selbsthilfegruppen seien ein großes Geschenk. „Man kann sich gegenseitig nichts vormachen.“ In der Suchtberatungsstelle empfehle man immer: „Bleiben Sie dran! So einfach und günstig geht sonst kein Rückfallschutz.“ Sie sei immer wieder beeindruckt, wie Menschen sich ändern und die Kehrtwende schaffen könnten. Andere wiederum bräuchten viele Anläufe: „Aber der Kampf lohnt sich immer.“

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