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Verteidigung für Therapie auf Demeterhof

Amokfahrt eines Landwirts Verteidigung für Therapie auf Demeterhof

Weil seine Kühe Ohrmarken erhielten, rastete er völlig aus: Im Prozess geht es für den 53-jährigen Landwirt nun um dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie - oder eine „Insel-Lösung“.

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Aus Protest gegen die behördlich angeordnete Aktion rammte er mit seinem Traktor mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei und das Fahrzeug eines Tierarztes.

Quelle: Dirk Schneider

Kiel/Plön. Im Prozess um die Amokfahrt eines Landwirts aus dem Kreis Plön hat die Verteidigung für eine Therapie des 53-jährigen Angeklagten auf einem Demeterhof plädiert. Beide Verteidiger baten das Kieler Landgericht am Freitag, ihrem Mandanten eine gesetzliche Betreuung zuzuweisen und von der dauerhaften Unterbringung des Biobauern in der geschlossenen Psychiatrie abzusehen. Der mit Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführte Mann habe den Behörden am 4. Mai nur einen Denkzettel verpassen und niemanden verletzten oder gar in Lebensgefahr bringen wollen.

Anders als der Staatsanwalt sah die Verteidigung keinen bedingten Tötungsvorsatz, als Bauer am 4. Mai 2016 auf seinem Hof in Ascheberg mit seinem Traktor völlig ausrastete und mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei und das Fahrzeug eines Tierarztes rammte. Zuvor hatten Amtstierärzte in Begleitung von Polizisten seine Kühe mit Ohrmarken gekennzeichnet. Laut Anklage handelte der Biobauer im Zustand der Schuldunfähigkeit. Er wehrte sich seit Jahren gegen die Amtsverfügungen und wurde deswegen auch verurteilt. Für ihn sind Ohrmarkierungen Tierquälerei, wie er in seinem Schlusswort betonte.

Auch ein privater Pkw wurde mit dem Trecker gerammt.

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Bei ihrem Antrag berief zog sich die Verteidigung ausdrücklich auf eine Feststellung des Gutachters. Danach leide der 53-Jährige an einer „isoliert wahnhaften Störung“, die sich auf Polizei und Behörden beziehe. Auf einer „Insel ohne Polizei und Behörden“ wäre er demnach friedlich. Eine solche Insel könne ein sozialtherapeutisch ausgerichteter Demeterhof sein, mit dem Verteidigung und der Beschuldigte Kontakt hätten, argumentierte die Verteidigung: „Wir können ein Feld schaffen, das nah an der Insel ist.“ Eine gesetzliche Betreuerin würde dann den kompletten Umgang mit Ämtern und Behörden regeln.

Der Biobauer selbst verlas in seinem Schlusswort unter Tränen, er sei durch die zunehmende behördliche Konfrontation an seine Grenzen gekommen. Er wolle jetzt die Chance ergreifen, aus der Selbstständigkeit zu gehen und seine Biografie aufzuarbeiten. „Das wird nicht leicht“, sagte er. Er könne sich aber auch der Unterstützung seiner Familie gewiss sein. Der Mann ist seit neun Monaten vorläufig in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

dpa

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Landgericht Kiel
Foto: Er legte zahlreiche Polizeiwagen um. Der Landwirt in Ascheberg (Kreis Plön) geriet völlig außer Kontrolle.

Im Prozess um die Amokfahrt eines Landwirts aus dem Kreis Plön werden am Freitag die Plädoyers der Verteidigung erwartet. Einen Termin für die Urteilsverkündung will die 8. große Strafkammer des Kieler Landgericht danach bekanntgeben.

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