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Flüchtling hilft bei der Feuerwehr

Ascheberg Flüchtling hilft bei der Feuerwehr

Mit seinem Technikverständnis und seiner freundlichen Art hat Mahmood Madem längst die Herzen der Ascheberger Feuerwehrleute erobert. Sie haben den Asylbewerber aus dem Iran in ihre Reihen aufgenommen. Der größte Wunsch des 31-Jährigen, der aus religiösen und politischen Gründen seine Heimat verlassen hat: Zu bleiben und in der Gemeinde eine eigene Wohnung zu finden.

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Mahmood Madem (vorn), Wehrführer Robert Ulrich (von links), Stefan Karp, Daniel Scharneck, Pastor Jan-Philipp Strelow und Linus Terhar verstehen sich bestens: Der technisch begabte Iraner ist immer gern dabei, wenn der Gerätewart außerhalb der Dienstabende Neulinge betreut und einweist.

Quelle: Orly Röhlk

Ascheberg. Aktuell lebt Madem in einer Wohngemeinschaft am Rand Aschebergs. Von dort ist es weit bis zum Feuerwehrhaus im Herzen des Ortes. Für Einsätze zu weit, es würde zu lange dauern, bis Madem vor Ort ist, findet Gerätewart Stefan Karp. Er hat Madem und weitere Neulinge in der Wehr unter seine Fittiche genommen und trifft sich mit ihnen jeweils einmal die Woche, um sie mit Fahrzeugen und Ausrüstung vertraut zu machen.

 Durch Vermittlung von Pastor Jan-Philipp Strelow kam der Kontakt Anfang Februar zustande. Eingefädelt hatte das die Frau eines Feuerwehrmannes aus Nehmten, die den Iraner als Sprachpatin betreute.

 Mahmood Madem hat in Ascheberg-Trentrade ein Praktikum beim Kfz-Betrieb Peter Kayser absolviert. Im Iran, berichtet Madem, habe er nach Abitur und Ausbildung in Automechanik in der Autoproduktion gearbeitet, wo die Fahrzeuge auf Dichtigkeit geprüft werden, sowie als Immobilienmakler. Im Iran fuhr Madem Motorrad. „Das wäre auch hier mein Traum“, sagt er. „Mahmood ist technisch ziemlich flink und begabt, er kann die Fahrzeuge warten, Batterien laden, lernen, wie die Funkgeräte funktionieren, Pumpen und Motoren kennenlernen“, erzählt Karp.

 Wegen der (noch) vorhandenen Sprachbarrieren ist er froh über das große Technikverständnis Madems. „Ich mag alles an Technik und kann alles reparieren, bin aber nicht perfekt“, räumt Madem ein. Notfalls verständigt man sich mit Händen und Füßen. „Wir fuchsen uns hier zurecht, die Sprache ist nicht das Hindernis“, sagt Karp.

 Seit 1. Februar 2012 ist Madem in Deutschland. Er lebte fünf Monate in Neumünster und acht Monate in Oldenburg, bevor es ihn nach Ascheberg verschlug. Drei Tage die Woche besucht er einen Deutschkursus. „Wir haben ihn eingekleidet und führen ihn langsam heran an die Aufgaben. Für Lehrgänge muss er sprachlich besser werden, aber wir wollen ihn integrieren und bald mit in den Einsatz nehmen“, erklärt der Gerätewart. „Das Problem bei der Truppmannausbildung wäre derzeit wegen der sprachlichen Barrieren der Abschlusstest, aber wenn er die Praxis kann, versteht er auch den Rest, und er wird es durchziehen“, ist Karp überzeugt. „Wenn Mahmood etwas nicht versteht, so sagt er das und bremst mich aus“, schmunzelt er.

 „Wir wollen aus ihm einen Feuerwehrmann machen und ihm Wissen vermitteln, er hat Spaß an der Sache und wird von den 46 Aktiven und zwölf Ehrenmitgliedern akzeptiert.“ Feuerwehr, das sei gelebte Kameradschaft, auch außerhalb des Dienstes, weiß Karp. „Wir sind auf einer Welle.“ Und Madem fügt mit einem schüchternen Lächeln hinzu: „Stefan ist wie mein Bruder.“

 Nach den Worten von Pastor Strelow werden in Ascheberg aktuell 15 Flüchtlinge betreut. Sie stammen aus Syrien, Somalia, Albanien, Eritrea, dem Iran und Tschetschenien. Die Kirche sei Träger, aber viele Menschen engagierten sich als breites bürgerliches Bündnis in der Betreuung. „Wenn es gelingt, Mahmood Madem in die Feuerwehr zu integrieren, ist das etwas Wunderbares.“

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