4 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Stadt plant Einsatz von Videokameras

Atrium Schwentinental Stadt plant Einsatz von Videokameras

Angesichts steigender Einsatzzahlen, die die Polizei Schwentinental bei der Großdisko Atrium vermeldet, plant die Stadt Schwentinental Videoüberwachung auf dem Vorplatz. Datenschützer zweifeln an der abschreckenden Wirkung.

Voriger Artikel
Versuchter Raub in Unterführung
Nächster Artikel
TSV Plön Boxring sammelt mit

Der Ausschuss für öffentliche Sicherheit hat sich für eine Videoüberwachung vor dem Atrium in Schwentinental ausgesprochen.

Quelle: Merle Schaack

Schwentinental. Beleidigungen, Diebstahl, Körperverletzungen – immer häufiger wird die Polizei nach eigenen Angaben zur Raisdorfer Diskothek Atrium gerufen. Nun reagiert die Stadt auf die steigenden Einsatzzahlen. Der Ausschuss für öffentliche Sicherheit sprach sich jetzt dafür aus, dass Videokameras zur Überwachung des Vorplatzes installiert werden. Damit wäre das Atrium, das zu den vier größten Diskotheken Deutschlands gehört, die einzige im Großraum Kiel, vor der der öffentliche Raum mit Bewegtbildern überwacht wird.

Bereits Anfang November war die Polizei Schwentinental achtmal mehr als im gesamten Vorjahr zum Atrium gerufen worden. Am häufigsten waren Körperverletzungen (32 Mal) der Grund. Die Polizei stellt allein zwei Sachbearbeiter für Vorfälle rund um die Großraumdisko ab. Die Stadt zeigt sich nun kooperationsbereit und bringt die Videoüberwachung auf den Weg, die vermutlich rund 10000 Euro kosten wird.

„Die Sicherheit der Jugendlichen liegt uns sehr am Herzen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit der Polizei dafür sorgen, dass die Situation dort sicherer wird“, sagt Schwentinentals Bürgermeister Michael Stremlau.

Das Atrium ist mit vier Tanzflächen auf fast 4000 Quadratmetern Fläche und einem Einzugsgebiet bis Eutin die größte Diskothek Norddeutschlands. Außerdem erkennt es – im Gegensatz zu den Kieler Clubs – den sogenannten „Muttizettel“ an, mit dem Eltern von Minderjährigen ihre Erziehungsaufgaben für einen Abend einer Person über 18 Jahren übertragen können. Der Ausschussvorsitzende Joachim Stenzel (SPD) kündigte an, man wolle nun „rechtlich korrekt und zügig“ handeln. „Ich bin nicht für einen Überwachungsstaat. Aber wenn die Aufnahmen nur dazu dienen, im Nachhinein zu gucken, wer der Täter ist, halte ich Videoüberwachung für gerechtfertigt.“

Das sieht man im Landesdatenschutzzentrum anders. Strafverfolgung und Abschreckung könnten nicht die alleinige Motivation für Videokameras sein, sagt Barbara Körffer, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz. „Wenn man Videokameras als Gefahrenabwehrmaßnahme installiert, muss es möglich sein, die Gefahr rechtzeitig erkennen und gegebenenfalls eingreifen zu können“, sagt sie und fordert einen Polizeimonitor, auf dem die Beamten das Geschehen auf dem Vorplatz verfolgen können. Den Wirkungsgrad einer Kamera, die lediglich Bewegtbilder aufzeichnet und dadurch abschrecken soll, hält sie für dürftig. „Die Stimmung vor Diskotheken ist häufig so aufgeheizt, dass Leute unter Alkoholeinfluss sich nicht von Straftaten abhalten lassen.“ 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Merle Schaack
Volontärin

Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3