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Kindheitstraum: Einen Tag Seenotretter sein

Auf der „Berlin“ in Laboe Kindheitstraum: Einen Tag Seenotretter sein

24 Stunden an Bord eines Seenotrettungskreuzers. Ein Traum für Abenteuerlustige. Für Lukas Brand (19) aus Iserlohn wurde er am Wochenende wahr. Einen Tag und eine Nacht gehörte er zur Besatzung der „Berlin“ in Laboe.

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Mensch über Bord: Lukas Brand muss einen Kollegen "retten" und sicher zurück zur Rettungsinsel bringen. Die Übung in einem Schwimmbad gehörte zu seinem Tag bei den Seenotrettern des Kreuzers Berlin in Laboe.

Quelle: DGzRS

Laboe. „Wow“ entfährt es Brand immer wieder, wenn er erzählt, was die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) für ihn alles auf die Beine stellt. Die suchte jemanden für die Aktion „Werde Seenotretter für einen Tag“ und lud Brand ein. Vor dem Start mit dem Schiff absolviert er ein Überlebenstraining in einem Ausbildungszentrum in Nordfriesland. Er springt vom Drei-Meter-Brett mit seinem schweren Überlebensanzug, lässt sich in einem Korb mit einer Seilwinde hochziehen oder rettet einen anderen Menschen durch das Wasser zu einer Rettungsinsel. Für den durchtrainierten Gymnasiasten sind das keine besonderen Strapazen. Nach dem Abitur im nächsten Jahr strebt er ein Studium als Sportlehrer an.

An Bord lernt LuKas Brand als Erstes: Der Vormann Michael Müller duzt sofort und ohne Unterschied gleich alle Menschen und lässt sich nur „Micha“ nennen. Eine andere Anrede wäre so unerwünscht wie zehn Meter hohe Wellen. Micha ist ein Gemütsmensch, der pro Jahr 120 bis 140 Einsätze auf See rund um die Kieler Förde leitet. Seit über 20 Jahren lenkt der ruhige Seebär das 27,5 Meter lange Schiff, das mit seinen 3600 PS zu liegen gebliebenen Seglern huscht oder Kranke von Bord großer Passagierschiffe holt. Ihn scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können.

„Micha“ lässt Lukas auch mal ans Steuer. Zumindest das Tochterboot, das die „Berlin“ achtern trägt, darf der 19-Jährige über die Förde schippern. Natürlich ist das auch ein „Wow“ wert. Ebenso wie der Sonnenaufgang, den er nach seiner ersten Nacht an Bord erlebt. Um 6.30 Uhr steht der angehende Abiturient auf dem Oberfahrstand und schaut sich den klaren, rötlichen Himmel über dem Wasser und den Kieler Horizont an. Und das Bedienen der zwei Wasserkanonen? – „Wow“.

Der Tag auf dem DGzRS-Kreuzer in Laboe hat eine Vorgeschichte, die bis in die Kindheit von Lucas Brand zurückreicht. Als kleiner Steppke besuchte er in den Sommerferien mit seinen Großeltern ein Seenotrettungsboot in Cuxhaven. Das Seenotretter-T-Shirt, das er damals bekam, zog er gefühlt mehrere Monate nicht mehr aus. Seitdem hat er ein Faible für Schiffe, vor allem für Seenotrettungsboote. Als er bei einem Ostsee-Urlaub von „Werde Seenotretter für einen Tag“ erfuhr, war für ihn sofort klar, dass er sich bewirbt. Bei der Online-Abstimmung bekniete er alle seine Freunde und Mitschüler in Iserlohn für ihn zu voten. Er kam unter die letzten zehn. Das Los fiel auf Lukas Brand.

Die DGzRS wird mit Anfragen von Menschen überhäuft, der gerne einmal mit in See stechen wollen, berichtet Pressesprecher Ralf Baur. Das geht natürlich nicht. Nur in Ausnahmefällen wie jetzt, sei das möglich. Ein bisschen Werbung für die Seenotretter wolle man damit natürlich auch machen. Micha drückt das so aus: „Das ist nicht schlecht, wenn sich jemand für uns interessiert.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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Foto: Auch im Jahr 2016 weiter viel unterwegs: Die Retter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Sie rücken aus, wenn Menschen an der Küste und auf See in Gefahr sind. Seenotretter haben dieses Jahr nicht nur in der Nord- und Ostsee Leben gerettet. Auch in der Ägäis haben sie geholfen, Tragödien zu verhindern.

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