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Erinnerungen ans Zuhause

Ausstellung Erinnerungen ans Zuhause

Idyllische Landschaften hängen neben Ruinen, Fischerboote dümpeln neben Baumaschinen. Die neue Ausstellung im Haus der Diakonie in Preetz zeigt Handy-Fotos von Flüchtlingen. Es sind ganz persönliche Erinnerungen an die „Verlorene Heimat“.

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Dieses Bild der Ausstellung „Verlorene Heimat“ kommt aus Eritrea.

Quelle: Privat

Preetz. So lautet der Titel einer Ausstellung, die im Haus der Diakonie in Preetz eröffnet wurde. „Die Flüchtlinge geben einen Einblick in sehr Privates“, erklärte Bürgermeister Björn Demmin bei der Vernissage. „Hinter jedem Bild steht ein persönliches Schicksal.“ Kein Mensch verlasse gern seine Heimat, sondern nur, wenn Gefahr für Leib und Leben bestehe. „Es ist unsere Verpflichtung, ihnen eine neue Heimat zu geben“, betonte er.

 Mit der Ausstellung könne man Verständnis wecken und Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen, so Demmin. Die Fotos seien mit Handykameras aufgenommen worden. Für alle, die über Flüchtlinge mit Smartphones meckern und eine Neiddebatte in Gang setzen wollten, habe er nur eine Antwort: „Es ist ein wichtiges Kommunikationsmittel in die Heimat, gleichzeitig Navigation, Wörterbuch und Bank.“

 Auf das nur in Deutschland gebräuchliche Wort „Handy“ ging Petra Rink als stellvertretende Diakonie-Geschäftsführerin ein. „Wir erhalten handfeste Eindrücke von anderen Welten und doch unserer gemeinsamen Welt“, sagte sie. Jetzt habe man die Gelegenheit, genau hinzusehen. Sie wünsche sich die Bereitschaft aller, sich die Hände zu reichen. Smartphones seien für die Flüchtlinge sehr wichtig: Sie können über soziale Netzwerke mit den geliebten Menschen in Kontakt bleiben.

 Julia Koch vom Arbeitskreis Alltagsleben in der Flüchtlingshilfe hat die Ausstellung initiiert. Die Idee sei vor einem halben Jahr entstanden, als ihr jemand im internationalen Kochclub Fotos zeigte und sie feststellte, dass sie die Stadt kannte. Den Flüchtlingen bedeute es viel, nach außen zu tragen, was ihnen wichtig sei. Zuerst hätten sie viele Kinderfotos gezeigt – Töchter und Söhne, die noch im Heimatland auf ihre Reise warteten. Zum Schutz der Kinder habe man sich entschieden, diese nicht zu zeigen.

 Ein wiederkehrendes Motiv seien die eigenen Häuser oder der eigene Betrieb. Es gebe historische Bezüge wie die zerfallene Kreuzritterburg ebenso wie moderne Motive wie die Baumaschinen, die in England gekauft wurden. Sie würden anonym gezeigt, weil bei allen das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Ziel sei es auch, das Interesse an diesen Ländern zu wecken. „Manches ist uns fremd, anderes erscheint vertraut“, so Julia Koch. Man wolle aber außerdem die Bedrohung zeigen. Neben Bildern mit heiler Welt sind zerstörte Häuser zu sehen.

 Es gebe auch Menschen, die keine Smartphones hatten, als sie aufgebrochen sind. Für sie stünden die schwarzen Bilder mit einem kleinen Text. „Mit 13 Jahren von der Mutter auf die Flucht geschickt. Mit 19 Jahren in Deutschland angekommen“, steht auf einer dieser schwarzen Tafeln. „Welche Bilder haben Sie auf dem Handy?“, fragte Julia Koch die Besucher: „Könnten Sie morgen auf die Flucht gehen und Erinnerungen mitnehmen?“

 Verlorene Heimat bis 8. Dezember, Haus der Diakonie in Preetz, Am Alten Amtsgericht 5, Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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